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Kilchum Castle Schottland 2016
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In der Sahara angekommen

Wir sind am Rande der Sahara und ich gehe zweimal in die Luft

der Teppich fliegt tatsächlich! Hätten wir nicht geglaubt.

Wir verabschieden uns von Zagora und haben noch 95km apshaltierte Strasse, bevor auch dieses letzte Stück definitiv endet. Nach 20km stoppen wir aber zum ersten Mal, von Moritz bekamen wir gestern den Tipp, dass es in Tamegroute eine Bibliothek und eine Töpferei haben muss. Also stellen wir den Blinker und werden schon von einem freundlichen Berber in den Parkplatz gewiesen.

Er begrüsst uns höflich und bietet sich für eine Führung in die Bibliothek an. Natürlich jetzt aus Höflichkeit und später will er dann etwas Geld, aber das wissen wir ja.

Er führt uns direkt zur Moschee und der Bibliothek, dazwischen erklärt er uns, das Tamegroute auch eine Universitätsstadt ist und dass die angehenden Imame insgesamt fünf Jahre studieren müssen, davon ein Jahr hier. Momentan seine etwa 80 Studenten hier. Tamegroute ist seit dem 11 Jahrhundert eines der wichtigsten religiösen Zentren und seit 1640 mit einer religösen Schule ausgestattet. Seit dieser Zeit wurde die Führung der Schule immer vom Vater zum Sohn ohne Unterbrechung bis in die Gegenwart übertragen.

vor dem religiösen Zentrum

Die Bibliothek mit Büchern aus dem 11. Jahrhundert ist sehr eindrücklich, über Medizin, Natur, Religion und Naturwissenschaften gibt es insgesamt über 4200 handgeschriebene Bücher, zum Teil auf Gazellenhaut geschrieben. Die Bibliothek wird von einem Professor erklärt, der danach die hole Hand hinhält, 20 Dhm kann er mir entlocken.

Danach geht die Führung durch die Kasbah weiter, und diese ist schöner und für uns noch beeindruckender wie die von Midelt. Die Gebäude sind alle dreistöckig, zusammengebaut und die Wege führen unter den Mauern durch Gänge im dunkeln hindurch. Und bei allen Gängen zweigen Türen ab in Wohnungen. Das sei extra so gemacht, denn so bleibe es auch im Sommer in den Wohnungen nur zwischen 30 – 34 Grad und das sei die perfekte Temperatur für Berber. Ausserhalb kann es dann schon mal 50 – 60 Grad heiss werden…

Nach der Kasbah kommen wir zur Töpferei, und das ist nun wirklich der Hammer! Hier wird von A-Z alles hergestellt, zuerst wird nach Lehm gegraben, danach verarbeitet und geschmeidig gemacht, dann geformt, gebrannt, verziert und wieder gebrannt. Das muss man echt gesehen haben und hat uns wirklich beeindruckt.

Die Töpferei mit den Öfen

Als Entwicklungshilfe haben die Deutschen in der Stadt zwei Gasöfen für diese Töpferei aufgestellt und auch eine kleiner Generator für Strom. Unser Führer sagt aber, dass dies für die Katze gewesen ist, denn im Wüstenklima haben diese Öfen und Generatoren nicht lange überlebt und man hat schnell wieder zur alten herkömmlichen Methode gewechselt. Die Gasöfen und Generatoren stehen noch immer hier...

In diesen Steinöfen wird Palmenholz verbrannt und die sind so konstruiert, dass sie bis 1200 Grad heiss werden können, perfekt für die Keramikarbeiten. Und je nach Temperatur und Zusatzstoffen werden hier Arbeiten im ganzen Spektrum des Farbschemas hergestellt. Echt eindrücklich und alles nur mit Naturprodukten aus der Wüste. Wir können uns vom Treiben in dieser Freilufttöpferei fast nicht satt sehen und kaufen uns dann zwei schön verzierte Tajinen (mit gelber Farbe aus Safran).

Nachdem wir diese im Womo verstaut haben, will uns der Einheimische unbedingt nochmals in ein Geschäft mit Berberwaren zerren. Schlussendlich gebe ich etwas angesäuert nach und wir laufen wieder in so einen Teppich-Schmuckladen, schon zig-Mal gesehen. Und wieder werden wir fast zum Pfefferminz-Tee gezwungen. Ich bin schon etwas mehr angesäuert und erkläre dann, dass wir nichts kaufen werden, weil wir diese Dinge schon haben und nicht in jedem Geschäft etwas kaufen können. So reich sind wir nun auch wieder nicht. Immerhin gibt es damit keine Probleme und wir können uns in Freundschaft verabschieden.

Beim Womo hält dann der Parkplatzaufpasser die hole Hand hin, ich drücke im 5 Dhm hinein, bin wieder angesäuert und dann will ich unserem Fremdenführer 50 Dhm geben. Das ist ihm aber zu wenig, eine solche Führung sei 100Dhm wert. Ich gehe innerlich in die Luft, explodiere fast und bin eigentlich stinkesauer. Ist wahrscheinlich nicht mein bester Tag heute. Ich drücke ihm hässig eine 100er Note in die Hand, steige in unser Womo und zerplatze fast, als sich meine Holde noch freundlich verabschiedet. «Steig ein, wir fahren» ist noch das einzige, was ich sagen kann und schwöre mir, dass wir nirgends, aber gar nirgends mehr anhalten, bis wir auf dem Campingplatz sind.

Anita versucht mich dann zu beruhigen, dass wir schon für unnützere Dinge Geld ausgegeben haben und die Führung wirklich toll war. Natürlich hat sie recht, aber ich bin immer noch sauer, stinke sauer…

Als wir dann die letzte Bergkuppe vor der Wüste passieren und uns ein grosses, gelbe Schild in der Wüste begrüsst, bin ich schon lange wieder beruhigt und freue mich wie ein kleines Kind, bis wir endlich auf dem Campingplatz ankommen.

Begrüssungschild

wir kommen in die Wüste

Wir erreichen M’hamid, das letzte Dorf vor der Sahara, fahren ganz hindurch bis die Asphaltstrasse aufhört und noch 400m weiter bis zum allerletzten Campingplatz vor der Sahara. Was für eine Ruhe, was für eine Aussicht! Wir werden von Kalifa wie alte Freunde begrüsst, schenken ihm eine selbergemachte Engadiner Nusstorte und geniessen ab jetzt einfach nur die Ruhe! Keiner, der uns was verkaufen will, einfach nichts und wieder nichts!

Das Thermometer zeigt 29 Grad an, keine Wolke am Himmel, rundherum nur Sand. Der perfekte Zeitpunkt, endlich unser gekaufter Teppich vor dem Womo auszubreiten und ein Tässchen Tee darauf zu trinken. Und dann passiert es, als Anita per Zufall das Wort Salamaleikum ausspricht, beginnt der Teppich plötzlich langsam in die Höhe zu schweben! Zuerst 20cm, dann 40 und schlussendlich schweben wir etwa 1m über dem Sandboden vor unserem Womo! Dieser Teppich ist sein Geld wirklich wert und der Verkäufer hat uns nicht zu viel versprochen. Ich gehe nun heute zum zweiten Male in die Luft, einfach genial. Leider wissen wir die anderen Befehle nicht mehr und so landen wir ein paar Minuten später wieder sicher auf dem Boden.

Später machen wir noch unser Abendessen, was denn sonst ausser einer feinen Tajine?


Externe Links

Übernachtung

Mhamid - La Boussoule***
Stellplatz

letzter Platz vor der Sahara, rundum nur noch Wüste

Koordinaten: 29.828550,-5.732619
letzter Besuch: 11.2017

9.11.2018 - Ihr zwei Glücklichen! Wir sind irgendwie mittendrin und doch nicht dort... Danke euch für die kostbaren Bildberichte, wir können es kaum erwarten in dieses geheimnisvolle Land zu fahren... GlG Richard und Gabi

- Richard Herzog


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