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Erster Erfahrungsbericht unserer Trenntoilette

Unser Fazit nach sechs Monaten Trenntoilette

WC mit Spülung (Sprühflasche)

Grundlagen

Wir haben unsere Thetford-Toilette ausgebaut und durch eine Trenntoilette von Nature’s Head ersetzt (zur Einbauanleitung)

Funktionsprinzip

Urin und Feststoffe werden in der Toilette getrennt. Die Feststoffe werden in der Toilette getrocknet und unter Trockenstreu (Humus, Kokosfasern, etc) gemischt. Ein kleiner PC-Lüfter trocknet den Inhalt dieses Humusgemisches. Die Toilette braucht weder Wasser noch Chemie. Der Feststoffbehälter muss erst nach ca. 60 – 80 Benutzungen (nach Hersteller) geleert werden. Der reine Urinbehälter hat ein Fassungsvermögen von 8 Litern und kann in jedes WC geleert werden.

Praxis

Gestank

Die grosse Unbekannte war ja der Geschmack (oder Gestank). Wir sind total überrascht und erfreut, man riecht überhaupt nichts, rein gar nichts. Sogar meine Holde Kunigunde mit ihrem feinen Näschen ist total erstaunt. Anscheinend stimmt es ja doch: wenn Kot nicht feucht wird, entwickelt sich kein Gestank. Wir riechen auch absolut kein Uringeschmack. Auch wenn wir die Nase direkt in die Ablüftung (ohne Filter) halten, riechen wir echt nichts! Bei der alten normalen Kassettentoilette hat es entweder leicht gestunken oder beim Einsatz von Chemie roch man dessen Parfüm.Man muss also überhaupt keine Angst haben, wenn man die Campingeinrichtung direkt vor dem Abluftstutzen aufstellt. Man hört weder den Lüfter noch riecht man irgend etwas.

Riechprobe

Benützung

Die Toilette wird nicht mit Wasser gespült. Mit einem Einsprüher aus Essigwasser wird nach der Benützung kurz gesprüht und mit einem Blatt Toilettenpapier die Toilette trocken gewischt. Daran muss man sich vielleicht etwas gewöhnen, es funktioniert aber problemlos. Einzig nach dem Urinieren bleibt jeweils ein ganz kleiner Rest in der Schüssel zurück, der letzten Tropfen läuft irgendwie nicht ganz ab. Ich würde nun die Toilette hinten vielleicht mit einem Holzstück unterlegen, damit sie ganz leicht nach vorne schräg abfällt, damit der Urin besser abfliesst. Zwischen den bestehenden Abflusslöchern haben wir mit einer Bohrmaschine noch drei kleinere Löcher gebohrt, seither ist der Abfluss wesentlich besser.

nach dem Urinieren

Etwas enttäuscht bin ich vom Urinbehälter. 8l haben Platz und ohne irgend etwas zu überlegen, habe ich da mit einigen Tagen gerechnet, bis der voll ist, vor allem da kein Wasser für die Spülung anfällt. Unser ist jetzt nach zwei Tagen fast voll. Mit googeln habe ich herausgefunden, dass im Durchschnitt bei einer erwachsenen Person ca. 1,5l Urin pro Tag anfällt, also für zwei Personen 6l in zwei Tagen. Es stimmt also in etwa und muss darum alle zwei Tage geleert werden. Ist aber jetzt wirklich kein Problem mehr, wir leeren ihn häufig (in jede normale Toilette kann geleert werden) und es geht wirklich easy. Ich muss ehrlich sagen, wir haben den Urin auch schon in der Natur entleert, man riecht und sieht danach absolut nichts.

Beim Stuhlgang muss nicht zuerst uriniert werden, es geht also auch engegen dem ersten Bericht gleichzeitig. Das Drehen des Drehhebels, den man nach dem Stuhlen betätigen muss, um die Ausscheidung unter die Streu zu mischen, läuft erstaunlich leicht. Da hatte ich vorher Bedenken, die waren aber unnötig.

nach dem Stuhlgang



Der Lüfter ist sehr ruhig und man hört ihn echt nicht. Dennoch habe ich einen Aus/Ein-Schalter für diese Lüfter eingebaut, jetzt läuft er aber dauernd. Der Stromverbrauch des Lüfters ist so gering, dass ihn unser Batteriecomputer nicht messen kann, also unter 0,1 A, laut Hersteller 0,07A also unter 1,7 Ah innerhalb 24 Stunden.

Sitzkomfort

Das war wohl der Punkt, der mich im Vorfeld am wenigsten interessierte. Aber ganz ehrlich, es ist der grösste Vorteil! Die Toilette fühlt sich beim Sitzen sehr robust an, viel besser wie bei der alten Plastiktoilette. Obwohl die Toilette leicht grösser ist, habe ich erstaunlicherweise mehr Platz für meine Beine und es sitzt sich eindeutig viel bequemer. In unserem kleinen Bad kann ich (1.81m gross) aber nicht stuhlen, wenn die Tür geschlossen ist, es ist einfach zu klein dafür. Aber das ging schon mit der alten Toilette nicht. Anita (1.64m) schaffte es bei der alten und jetzt auch bei der neuen.

Bedenken hatte ich wegen der Sitzhöhe, ist die Toilette doch einige cm höher als die alte und Anita ist nicht die grösste. Die alte Toilette sass auf einem Haltebrett am Boden fest, dieses ist für die neue nicht mehr nötig und von daher ist die Sitzhöhe in etwa gleich.

Entleerung

Für die Entleerung hat der Urinbehälter nicht die perfekte Form, es bleibt ein kleiner Rest im Tank. Aber mit Nachspülen ist dann alles sauber. Etwas schade ist auch, dass keine zusätzliche Luftsaugöffnung vorhanden ist, dann würde es nicht so blubbern beim leeren. Dafür ist das Gewicht bei vollem Behälter sehr angenehmen und nicht schwer, so dass auch der weibliche Part die Entleerung vornehmen kann ;-) Allerdings muss ich auch sagen, dass der Urin im Urinbehälter bei der Leerung wirklich stinkt, je nachdem was man gegessen hat. Der stinkt viel mehr, wie ich je gedacht hatte, aber im Womo riecht man absolut nichts, es geht da nur um die Entleerung.

Die Entleerung des Feststoffbehälters ist eigentlich sehr einfach. Es braucht aber ca. 30 Minuten Zeit, bis alles ganz sauber ist, aber da man dies wirklich erst nach vier Wochen intensivsten Gebrauch von zwei Personen machen muss, absolut kein Problem. Es riecht dabei auch nicht und ist auch nicht eklig. Wir nehmen aber seither jeweils richtige Abfallsäcke mit und nicht nur so dünne Plastiktüten. Der Inhalt wandert aber in den Abfall und nicht auf den Komposthaufen.

Wir haben aber angefangen, das WC-Papier nicht mehr in den Feststoffbehälter zu schmeissen. Ohne WC-Papier kann man den Entleerungsintervall  verlängern und und das durchmischen geht viel einfacher. Dazu haben wir einen ganz kleinen Abfallkübel mit Deckel im WC positioniert.

Fazit:

Wir sind sehr, sehr zufrieden mit dem WC. Beim Einbau würde ich jetzt schauen, dass das gesamte WC ganz leicht nach vorne geneigt wäre. Der grösste Nachteil ist der Urinbehälter, der beim Leeren keine Entlüftungsöffnung hat und darum sich leerblubbert statt leerfliesst. Ich könnte mir das "alte" System mit Kassette nicht mehr vorstellen...

Drehhebel

Der Artikel wurde am 13.6.2018 aktualisiert.

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