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Forthy Bridge Schottland 2016
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Reisebericht

Der Duft der weiten Welt 29.10.2018

Wir sind endlich unterwegs Richtung Marokko!

Der Duft der Welt

Es ist einfach ein schönes Gefühl, den Motor zu starten und alles hinter sich zu lassen. Vor einem die Weite, das Unbekannte und das Gefühl von Freiheit und Abenteuer.

Na gut, es hat gerade etwa einen Kilometer gedauert und dann standen wir schon vor der Autobahnauffahrt im Stau. Die Freiheit war nicht wirklich gross, das Abenteuer auch noch ziemlich klein und der Motor brummte mehr im Leerlauf wie dass er uns vorwärts brachte.

Aber nach einer halben Stunde waren wir dann durch und konnten endlich gegen Südwesten fahren. Die Grenze nach Frankreich passierten wir problemlos, und dann war der Duft wieder da, der Duft der grossen weiten Welt. Andere Sprache, anderes Land, anderes Geld.

Bei der ersten Mautstelle wurde dann schon über 21 €uro abgebucht und so landeten wir schon wieder auf dem Boden der Realität.

Egal, es regnet, wird dunkler und Anita findet in der Nähe von Grenoble einen schön kuscheligen Stellplatz mit Strom, Entsorgung und sogar WC. Nur die Bezahlstation finden wir nicht. Soll uns auch recht sein, vielleicht wird die im Winter eingeräumt. Und da wir weder Strom, noch WC brauchen noch Entsorgen müssen, haben wir auch kein schlechtes Gewissen, wenn wir gratis stehen. Morgen füllen wir dann noch den Wassertank mit Wasser (was denn sonst), das bis nach Marokko reichen muss.

Wir stehen jetzt da, Anita kocht, ich schreibe, wir haben Internet und dieser einmalige Duft von vorhin ist wieder da. Der Duft der grossen weiten Welt. Er vermischt sich später mit einem Duft von Sauce Bolognaise und frischen Spaghettis. Was gibt es schöneres wie eine Womoreise?


Übernachtung

Le Cheylas - Le Baptistin***
Stellplatz

für eine Übernachtung auf der Reise perfekt inklusive Strom und allem.

Koordinaten: 45.371725,5.990111
letzter Besuch: 10.2018

Ihr habt die Uhr, wir die Zeit 30.10.2018

Zeitchaos in Marokko

Nein, wir sind noch nicht in Marokko angekommen und dennoch erreicht uns die marokkanische Mentalität schon heute im Regen von Frankreich.

Marokkaner haben ja Zeit, viel Zeit, vor allem im Süden. Da ist es nichts aussergewöhnliches, wenn sie ein Werkzeug brauchen um ihren Eselskarren in der Wüste zu reparieren, dass sie zwei Tage hin und wieder zwei Tage zurück marschieren, damit die Reparatur weiter gehen kann.

Aber nun hat dieses Sprichwort auch wieder den Norden von Marokko erreicht. Marokko stellt die Uhren jeweils zur Sommer- und Winterzeit eine Stunde um, genau wie wir. Dazu aber auch eine Stunde vor und zurück vor und nach dem Ramadan. Also vier Mal pro Jahr diese Zeitumstellung. Nun hat das Parlamant 48 Stunden vor dem Begin der Winterzeit diese Umstellerei abgeschafft. Es sei für die Wirtschaft nicht einträglich.

Blöd nur, dass nicht alle davon erfahren haben. Die Fährgesellschaften haben andere Zeiten wie die Fluggesellschaft. Alle Handys haben andere Zeiten wie die Bahnhöfe und offiziellen Uhren. Die Internetportale zeigen verschiedene Zeiten an. Aber was gilt nun? Keiner weiss es. Für uns, die wir dann ankommen, wissen es noch nicht, nicht mal der Botschafter von Marokko in der Schweiz weiss, wie spät es nun effektiv in seinem Heimatland ist.

Mal schauen, um welche Zeit wir am Donnerstag ankommen.

Die Leute im Süden, unserem Ziel der Reise, wird das völlig egal sein. Sie haben sowiso keine Uhren und werden von dem gar nichts mitbekommen. Bei ihnen zählt das, was auf dem Handy angezeigt wird, alles andere ist ihnen egal. Manchmal auch das, denn sie kommen, wenn sie kommen. Ihr habt die Uhren, wir die Zeit.


Die fehlende Stunde 31.10.2018

Plötzlich fehlt uns die marokkanische Stunde doch noch

nur coole Fahrzeuge verschiffen nach Marokko

Wir schlafen wie immer in unseren Knutschi einfach fantastisch, obwohl es richtig fest und laut auf unser Womodach prasselt. Wir haben es nicht eilig, es sind nur 370km bis nach Sète und die Fähre legt nach Fahrplan erst um 20 Uhr ab. Und bei dem schlechten Wetter der letzten Tage rechne ich eigentlich mit Verspätung.

Also tuckern wir gemütlich los, entsorgen noch unser Grauwasser und den Abfall, aber frisches Wasser füllen können wir nirgends. Zum Teil sind die Wasserleitungen wegen dem beginnenden Winter schon abgestellt oder der Wasserhahn hat kein Gewinde und dann müsste ich das Wasser mit der Giesskanne umfüllen. Das ist mir zu mühsam. Wenn ich allerdings gewusst hätte, dass kein einziger funktionierender Wasseranschluss ein solches Gewinde hatte, hätte ich es gemacht. Na, jetzt haben wir kein frisches Wasser mehr und müssen dann marokkanisches irgendwo finden.

Danach gehen wir in Frankreich noch einkaufen. Auf Parkplätzen vor Einkaufszentrenten in Frankreichs Süden habe ich immer so ein mulmiges Gefühl. Ich traue diesen Südfranzosen einfach nicht. Also wird unser Womo vor dem Einkauf bunkermässig gesichert: mit den Sicherheitsgurten die Türen gesichert, das Aufbautürschloss zweimal gedreht und alle Rollos an den Fenstern runter, damit man nicht hineinsehen kann. Der Einkauf wird so schnell wie möglich gemacht und als wir zum Womo zurückkommen, ist alles noch wie wir es verlassen haben. Glück gehabt.

Quiz: als wievieltes Auto fuhren wir auf die Fähre?

Dann geht es gemütlich weiter Richtung Süden, bis ein SMS der Fährgesellschaft kommt. Die Fähre fährt heute schon um 19 Uhr und späteste Checkin-Zeit ist 15 Uhr. Mist, unser Navi gibt als Ankunftszeit 15:45 Uhr an, also aufs Gas drücken. Nichts mehr mit bummeln und Mont Ventoux anschauen. Und da sie wegen des hohen Wellengangs nicht so schnell fahren kann, kommt die Fähre statt Donnerstag um 5 Uhr morgens erst Abends um 20 Uhr an! 13 langweilige Stunden auf der Fähre zusätzlich.

Und als es dann die letzten 3km vor dem Hafen im Stau im Schritttempo fahre, werde ich leicht säuerlich. Aber wir schaffen es auf 15:30 Uhr ins Hafengelände, dann mit der Reservationsbestätigung zum Checkin-schalter und dort nochmals etwa eine Stunde Schlange stehen, bis wir die Tickets endlich in den Händen halten.

Und danach heisst es in der 4. Spur hinter all den vollgepackten Büsslis, beladen bis weit übers Dach mit alten Fahrrädern, Stühlen, Matratzen und was weiss ich noch alles. Und dann können wir um 18:52 Uhr endlich auf die Fähre fahren. Quizfrage: wie viele Autos fuhren nach uns noch auf die Fähre? (ein kleiner Hinweis, mehr als minus 1 und weniger als plus 1). 

wir verabschieden uns von Marokko

Aber jetzt liegen wir in der Kabine, Anita geht es momentan noch gut. Das Schiff schaukelt schon ziemlich für seine Grösse, aber wir sind noch nicht grün im Gesicht und konnten auch noch eine Pizza verdrücken.

Ach ja wegen den Süd-Franzosen: ich hatte viele Vorurteile gegenüber diesen Menschen und da ich diese aus der Welt schaffen wollte, heuerte ich in meinem früheren Berufsleben extra zwei Jahre in einem französischem Team an, um diese Leute besser kennen zu lernen. Resultat: alle Vorurteile wurden bestätigt!


Versauern in Barcelona 31.10.2018

Wir sitzen seit über sieben Stunden im Hafen von Barcelona fest

Nein, unser Tracker ist nicht kaputt, er sendet alle 5 Minuten ein neues GPS-Signal. Auch unsere Karte wird halbstündlich aktualisiert aber wir sitzen tatsächlich immer noch auf der Fähre im Hafen von Barcelona. Warum mussten wir wohl eine Stunde früher in Sète auf der Fähre sein, wenn das Fährschiff danach über 7 Stunden am Hafen wartet? Jetzt nämlich erst wird das Schiff beladen, 7 Stunden einfach nichts machen im Hafen. Ok, während diesen Stunden wurde zwischendurch das Schiff noch mit Diesel betankt, aber sonst lief gar nichts, absolut nichts.

Die nächtliche Fahrt bis Barcelona verlief relativ schauklig, aber im Liegen in der Kabine ging es ganz gut und geschlafen haben wir auch nicht schlecht. Auch das jahrelange Duschtraining im Wohnmobil zahlt sich aus. Die Duschkabine auf der Fähre in der Kajüte ist noch wesentlich kleiner wie im Womo! Aber dank des Trainings ging es problemlos, man durfte nur auf keinen Fall den Duschvorhang berühren, denn dann kriegte man ihn nicht mehr los und er klebte am Körper, während dem das Wasser den Boden des Bad(chen) überflutete.

unsere Kajüte, die beste, die wir kriegen konnten

Aber wir sind ja Wohnmobilisten und uns das improvisieren gewohnt. Also Karte von Marokko hervornehmen, schöne Strecken einzeichnen, die wir vielleicht fahren wollen dieses Jahr, dann einen Jass machen, oder auch mehrere, unser Knobelspiel spielen, Blogeintrag schreiben, 10x rund um die Fähre schlendern, um alles anzuschauen und wieder zurück in die Kabine. Und ja, wir sind immer noch im Hafen von Barcelona…

Meine geniale Planung der Reise rinnt langsam aber sicher ins Meer, wie die Regentropfen entlang unserer Scheibe. Unser Womo steht im Schiffsrumpf, ohne Strom und mit inzwischen warmem Kühlschrank. Ohne Gas taut auch das Gefrierfach auf und damit unsere Schweinswürste…

Es hätte so gut gepasst, 5 Uhr morgens in Nador ankommen, zwei Stunden für die Einreiseprozedur, zwei Stunden fahren, eine Stunde, um eine marokkanische Telefonkarte zu kaufen und am Mittag wären wir spätestens in Marokko auf Achse. Nun wird es so aussehen: 20 Uhr ankommen, 22 Uhr durch den Zoll, im Dunkeln irgendwohin fahren (ich wollte vermeiden, im Dunkeln zu fahren) im Dunkeln irgendwo einen Übernachtungsplatz suchen und dann keinen Blog schreiben können, weil wir noch keine Telefonkarte haben. Und das alles wissen wir schon im Hafen von Barcelona,

Momentan habe ich nicht gerade beste Laune, denn auch beim Jassen habe ich gegen Anita verloren. Auch unser Tracker ist im Tiefschlaf, er muss ja keine neue Positionen senden…


Uns geht es mies 31.10.2018

Wir sind nun wieder auf hoher See und wünschen uns in den Hafen zurück

Wir verlassen den sicheren Hafen

Man ist ja nie zufrieden mit dem, wo man hat. Uns geht es momentan auch so, und noch viel schlechter. Wie schön friedlich war es doch in Barcelona am Hafen, wo wir so lange auf die Abfahrt warten mussten.

Jetzt sind wir auf hoher See und ich wusste gar nicht, dass so ein grosses Schiff so fest schaukeln kann! Etwa jede Minute einmal trifft uns eine grosse Welle frontal oder in einem bestimmten Winkel, dann gibt es einen riesen Knall und ein paar Sekunden später geht ein Zittern durch das Schiff. Danach folgen ein paar Schaukelbewegungen die einem den Magen ins Gehirn katapultieren und umgekehrt, bevor es wieder für ein paar Sekunden fast ruhig dahingleitet. Und das nun schon seit Stunden.

Anita sieht aus, wie das grüne kotzende Smily und kennt den Weg zur Toilette auswendig. Die Türe muss aber jedesmal gut eingerastet werden, sonst schlägt es sie wieder auf.

Mir geht es noch so knapp, aber diesen Bericht kann ich nur Satz um Satz niederschreiben, sonst ist es auch um mich geschehen.

Und das soll noch so gehen bis morgen gegen 21 Uhr, bis wir endlich in Nador in den sicheren Hafen fahren. 

Gut Nacht

Ach ja: normalerweise haben Anita drei Stugeron jeweils gerettet, heute hat auch das nichts mehr gebracht

Irgendwo zwischen Barcelona und Nador 1.11.2018

Das Meer beruhigt sich und wir werden unsere Seekrankheit los

Die Nacht war hart, sehr hart. Es schwankte, schwappte und schüttete in die Toilette. Aber irgendwann sind wir doch eingeschlafen und morgens fuhr die Fähre bedeutend ruhiger. Es ging zwar noch einige Zeit, aber wir kehrten so langsam zu den lebendigen zurück. Klar, es schwankt noch immer etwas, aber im normalen Spektrum und so leeren sich unsere Mägen nicht mehr weiter. Es geht uns zwar immer noch besser im Liegen, wie wenn wir umherlaufen, aber wir haben die Chance, unser Knutschi zu erreichen, ohne dass wir unterwegs ein WC aufsuchen müssen. Also alles im Grünen bereich.

Einreiseformalitäten auf der Fähre

Von letztem Jahr wussten wir, dass ein Teil der Einreiseformalität für Marokko schon auf der Fähre gemacht werden kann. Da wir letztes Jahr unsere Pässe nicht ins Handgepäck nahmen und die Identitätskarte nicht ausreichte, mussten wir es dann als einzige Passagiere von der Fähre im Hafen machen. Da war es selbstverständlich, dass uns dies dieses Jahr nicht mehr passiert.

Die auszufüllenden Reisezettel waren schnell gefunden, die lagen neben der Schiffs-Reception auf. Irgendwann kam dann die Durchsage, dass die Polizei nun diesen Einreiseschalter offen hat. Also schnappen wir unserer Pässe und diesen Zettel und gehen zu diesem Schalter. Er ist aber menschenleer und ich meine, ich habe in dieser Durchsage etwas von Deck 9 gehört. Also zwei Stockwerke hoch und dort ist schon ein Gewussel und Geschwaffel und alle halten ihre Reisepässe in der Hand. Also sind wir hier richtig.

Nach ein paar Minuten kommt der Grenzbeamte und bittet uns in den Kinosaal. Aber schön geordnet, langsam und die ersten beginnen auf den Stuhlreihen vorne rechts abzusitzen. Der Beamte schaut genau, dass kein einziger Stuhl frei bleibt und alle immer schön aufschliessen. Als alle sitzen geht er zum Pult nach vorne, startet seinen Computer und dann kann einer nach dem andern zu ihm, Pass und Einreisezettel abgeben, und er beginnt in seinen Computer zu Hämmern. Etwas später knallt dann der Stempel in den Pass und man kann gehen.

Immer wenn drei Reihen Stühle leer sind, bittet er die anderen noch wartenden Passagiere drei Stuhlreihen weiter nach vorne, ganz genau schauend, dass alle wieder ihre richtigen Plätze einnehmen und keiner sich nach vorne drängt. Der Beamte hat gerne Ordnung und Richtigkeit, auch akzeptiert er keine zwei Personen bei ihm am Pult. Jeder hat einzeln zu erscheinen ausser bei den Ehepaaren macht er eine Ausnahme. Und es sind nur drei da, alle anderen sind spanische oder französische PS-versessene Möchtegern-Ralleyfahrer oder schmuggelnde marokkanische Heimwehfahrer. Ok, schmuggeln weiss ich ja nicht, aber sie sehen so aus.

Je näher wir an der Reihe sind, desto mehr steigt die innerliche Aufregung, denn der Beamte sieht ziemlich streng aus und hoffentlich machen wir alles richtig.

Anita und ich stehen gemeinsam auf und strecken ihm unsere Pässe mit den Zetteln hin. Er fragt nach unserem Reiseziel und ich erkläre ihm, dass wir mit dem Wohnmobil um Marokko fahren und zähle einige Städte unserer Tour auf. Er beginnt zu strahlen und erzählt uns, dass er im franz. TV eine Sendung gesehen hat, wo sie erklärten, dass wir Schweizer die einzig wahren Europäer seien. Warum das so ist, will er von uns wissen. Ich bin etwas überrumpelt von der Frage und sage, vielleicht weil wir nicht in der EU sind? Dann verlangt er noch unseren Fahrzeugausweis, den ich zum Glück bei solchen Formalitäten immer dabei habe, denn es ist fast das wichtigste Dokument. Dann erklärt uns der Beamte, dass er sich auch schon ein Wohnmobil kaufen wollte, aber sie seien unheimlich teuer, aber das Reisen damit sei ein Traum. Natürlich stimme ich ihm bei und er wünscht uns eine ganz schöne Reise in seinem schönen Land.

Irgendwie schon mal eine schöne Begrüssung in Marokko, auch wenn wir noch nicht ganz angekommen sind.

Das Gespräch fand übrigens auf französisch statt und da war es ein Vorteil, dass ich diese Sprache schon mal halbwegs verstehe.

Warten auf den Hafen

Nun liegen wir wieder in der Kabine, mit dem Wissen, alles wird gut. Irgendwann gegen 22 Uhr sollen wir in Nador ankommen, dann rechnen wir, dass wir etwa um 24 Uhr den Hafen verlassen können, an einer der ersten Tankstellen Diesel tanken und eventuell die 50km weiterfahren bis zu unserem letztjährigen, schönen und einsamen Stellplatz am unbekannten See schlafen werden. Ich möchte nicht in der Nähe des Hafens nächtigen, denn ich habe keine Ahnung, wie es momentan mit den Flüchtlingen in Marokko aussieht, die Richtung Europa wollen. Hätte ich mich vorher informieren sollen. Und ich will nicht, dass diese Flüchtlinge uns mit denen verwechseln, die jetzt nach Europa fahren. Vielleicht Schwarzmalerei, vielleicht Skepsis oder eben noch das Sicherheitsdenken eines Europäers.

Dort am See übernachten, ausschlafen und dann anderntags in der nächsten grösseren Stadt eine Telefonkarte von Maroc Telecom kaufen, damit wir dann wieder Internet haben. Hier auf der Fähre gibt es für jedes Gerät 15 Minuten gratis Internet, was wir sehr gut finden. Auch habe ich noch 5€ bezahlt für zwei Stunden Internet, darum versorge ich euch jetzt noch mit diesen News.

Ab jetzt ist Funkstille, bis wir wieder marokkanisches Internet haben. Auf der Home-Seite könnt ihr unsere Position verfolgen, der Tracker übermittelt weltweit direkt via Satellit und braucht weder Handynetzt noch eine Internetverbindung.

Bis dann und macht euch keine Sorgen um uns.


Inschallah 2.11.2018

Wir sind gut in Marokko angekommen und fühlen uns schon richtig willkommen

Gestern kamen wir noch gut im Hafen von Nador an, das Entladen der Fähre ging im marokkanischen Chaos ziemlich schnell, auch die Zollabfertigung und das einführen unseres Knutschis lief etwas hektisch, aber sehr schnell ab. Viel schneller wie geplant.

Vor der Einreise

Die anschliessende Nachtfahrt zu unserem 70km entfernten Übernachtungsplatz ging besser wie erwartet und die Nacht haben wir gut hinter uns gebracht. Und das ohne Heizung, in der Nacht war es etwa 12 Grad warm.

Morgens das Erwachen mit Sicht über den Stausee war einmal mehr eindrücklich und echt, wir fühlten uns schon sehr zu Hause und eine riesige Vorfreude auf das noch kommende.

unser Übernachtungsplatz

Morgens um 8 fahren wir wieder los Richtung Taourirt, der ersten etwas grösseren Stadt im Landesinneren. Auf der Karte sah ich, dass es dort einen Shop von Maroc Telecom gibt, wir brauchen noch eine Telefonkarte für unser Internet. In der Stadt das altbekannte Gewusel: Eselskarren, Mopeds, Autos, LKW’s, Fussgänger und Busse, und mittendrin wir mit unserem Knutschi. Die Blau-rote Säule mit arabischer Schrift fällt uns sofort auf, der Shop kann nicht mehr weit sein. Blinker stellen, Parkplatz direkt vor dem Shop und schon stürmen wir hinein. Wir werden sehr freundlich empfangen, sagen auf französisch, dass wir eine Karte für Internet haben wollen und schon konfiguriert eine ganz junge Frau mit flinken Fingern unser Handy, währendem der Verkäufer die Sim-Karte herrichtet und aktiviert. Keine 5 Minuten später macht die junge Frau einen Probeanruf und alles ist ok. Wir bezahlen die 20 Dhm (2€) für die Simkarte und probieren im Knutschi unser Internet aus. Das funktioniert aber noch nicht ganz, also zurück in den Shop und da erklären sie uns, wir müssten zuerst ein Guthaben kaufen. Wir kaufen das grösst verfügbare für 100 Dhm (10€), das uns der Verkäufer grad aktiviert und schon klappt alles. Und das alles immer sehr freundlich mit einem Lächeln. Irgendwie sind wir jetzt in Marokko angekommen.

Blick nach Debdou


Also fahren wir weiter Richtung Süden und Debdou. Ausserhalb der Stadt sind wir schon wieder alleine auf der Strasse und in Debdou verpassen wir die Hauptstrasse und machen eine Rundtour durch das Städtchen, unfreiwillig. Dafür halten wir noch bei so einem kleinen Laden an, kaufen Wasser, Cola und Brot und sind endgültig halbe Marokkaner.

Danach steigt die Strasse steil an, die nächsten 50km sind Baustelle, die Strasse wird verbreitert und da es anscheinend in den letzten Tagen stark geregnet hat, gibt es viel Matsch, Erdrutsche und kleine Umleitungen. Wer vorwärts kommen will, ist auf dieser Strasse falsch, für Abenteuer sind wir aber goldrichtig.

Augen zu und durch

Wir sind nun auf der östlichen Hochebene zwischen Taorirt und Bouarfa, einsam, karg und wahrscheinlich der Teil des Landes, der in Marokko am wenigsten Infrastruktur hat. Keine Campingplätze, sehr wenige Tankstellen, viele Ziegen und Schafe, wenig Bäume, viele Steine. Einfach faszinierend!

Nach der Pause fahren wir weiter und sind gespannt, ob die Familie, die wir besuchen wollen, noch dort lebt und uns noch kennt vom letzten Jahr.


Übernachtung

Barrage Mohamed V - Stausee****
frei

sehr schöner Platz am See, Zufahrt etwas rumpelig

Koordinaten: 34.669131,-2.975011
letzter Besuch: 11.2018

Schade 2.11.2018

Die Familie, die wir besuchen wollten, lebt nicht mehr dort

So stehen wir heute während dem Sonnenuntergang

Schade, wir haben das Womo voll Mitbringsel für Fatma und deren Familie, die uns letztes Jahr so herzlich bewirtet haben. Das Haus finden wir und fahren direkt mit unserem Womo vor, aber es sieht verlassen aus. Vom Nachbarshaus, 300m weiter, treten scheu drei Kinder zu uns. Wir fragen nach Fatma und das mittlere Mädchen schüttelt den Kopf. Die Verständigung ist nicht gerade einfach, aber ich hole das Handy und den Google-Übersetzer und tippe ein: «Letztes Jahr lebten da Fatma und ihre Familie, sind sie noch da?» Dann lasse ich diesen Satz vom Handy auf arabisch vorlesen. Das Mädchen schüttelt wieder den Kopf. «Weisst du, wo sie jetzt sind?» Wieder schüttelt sie nur den Kopf, aber wir merken auch, dass sie die Fragen so versteht. Leider kann sie nur ja und nein sagen, denn wir glauben, sie kann nicht schreiben. Anita gibt den drei Kindern als Dank noch Süssigkeiten und ihre Augen beginnen sofort zu strahlen.

Abendessen kochen


Schade, dass wir diese Familie nicht mehr vorfinden. Was ist wohl mit ihr passiert? Das Haus steht noch so wie bei unserem letzten Besuch, alles aufgeräumt, menschenleer und unbewohnt. Wir drehen unser Wohnmobil und fahren in bedrückter Stimmung weiter. Wir hätten sie so gerne beschenkt und nun wissen wir nicht mal, wie es ihnen geht. Und die Chancen stehen schlecht, dass wir sie je wieder mal sehen werden. Wir kennen nicht mal ihre Nachnamen. Zum Bericht von letztem Jahr

Im Auto reden wir nicht mehr viel, Anita und ich hängen unseren Gedanken nach und das passt zu dieser wüstenähnlichen Gegend. Wir fahren bis kurz vor Âïn Benimather und parkieren unser Knutschi für die Nacht auf einem einsamen Feldweg.

Wir grillen auf dem neuen Grill einen Teil unserer Würste, da das Tiefgefrierfach die lange Fährfahrt nicht kalt überstanden hat. Im Fach war es gleich warm wie im Rest vom Knutschi.

Danach geniessen wir den farbenprächtigen Sonnenuntergang und studieren immer irgendwie dieser verloren gegangenen Familie nach.

Morgen müssen wir unbedingt Diesel tanken, auf den 240km seit Taorirt haben wir keine einzige Tankstelle gesehen…

Sonnenuntergänge in Marokko


Übernachtung

Âïn Benimather - Frei****
frei

auf einem Feldweg unweit der Strasse

Koordinaten: 34.039420,-2.166890
letzter Besuch: 11.2018

Einsam, einsamer, am Einsamsten 3.11.2018

Heute fahren wir 321km und sehen nur drei Dörfer

diese Strasse nahmen wir NICHT

Man merkt, wir sind im touristisch nicht erschlossenen Osten, fahren über 300km und sehen nur drei Dörfer und eines von diesen dreien fahren wir mit Umweg noch extra an, sonst wären es nur zwei. Einfach gewaltig so etwas. Aber der Reihe nach: morgens fahren wir die 20km nach Âïn Benimathar, dort soll es am Kreisel eine Tankstelle haben und wir brauchen Diesel. Kein Problem sie zu finden, also tanken wir 93l für 1000 Dhm (ca. 100 €) ohne Kreditkarte und fragen gleichzeitig, ob wir auch irgendwo Wasser füllen dürfen. Der Tankwart zeigt uns einen kleinen (sehr kleinen) Wasserhahn im Nebengebäude. Aber immerhin, unsere 6l-Giesskanne hervorholen und ca. drei Minuten warten, bis sie endlich voll ist. Das könnte ja ziemlich lange dauern…

warten, bis die kleine Giesskanne voll ist

Als bei unserem Frischwassertank wieder zwei Dioden brennen, sind wir zufrieden und brechen ab. Es geht sonst einfach zu lange, auch, weil zwischendurch das halbe Dorf kommt, um die Wasserflaschen hier zu füllen. Wir packen zusammen und fahren eine Runde ums Dorf. Leider sehen wir keinen Markt, denn wir hätten gerne noch eingekauft, also stoppen wir bei einem typisch marokkanischen Gemischtwarenhändler, kaufen zwei Brote und eine Datenguthaben für unsere Simkarte von 200Dhm als Reserve. Allerdings hat er keine solch grosse Karte an Lager, die grösste ist 10 Dhm, aber er schickt einen Boten mit dem Mofa los und keine 5 Minuten später erscheint er wieder mit zwei Hunderter-Datenvolumenkarten. Wir bedanken uns und fahren danach weiter Richtung Süden.

ein marokkanischer Supermarkt

Die N17 ist eine Hauptstrasse der algerischen Grenze entlang, aber hier ist grad gar nichts los. Hin und wieder kommt uns ein Auto entgegen, die Strasse rumpelt etwas wegen dem rauhen Belag. 113km weiter mit zwischendrin einfach Nichts und wieder nichts, stehen wir an der Abzweigung, die wir eigentlich nehmen wollen, in einer Polizeikontrolle. Pässe rausrücken und die Fiche abgeben. Die Fiche ist ein vorbereiteter Zettel mit Namen, Vornamen, Passnr, etc etc, so, dass die Polizei nicht alles aufschreiben muss und so mehr Freude an uns haben (Einen speziellen Eintrag zur Fiche werde ich später noch nachreichen). Unsere Fiche wird einbehalte, die Pässe kontrolliert und wir fragen den Polizisten dann, ob in Tendrara Souk ist und ob man da eine Tajine kaufen kann. Er weiss es nicht wirklich, also machen wir den kleinen Umweg und fahren in unser heutiges zweite Dorf. Hier ist wieder ziemlich wenig los, kein Markt, keine Tajinehändler.

Also wieder zurück zur Polizeikontrolle und dann ab auf die N19. Der Ort Borj de Bel Frissate 36km später stellt sich nur als Wegweiser heraus, weit und breit nichts anderes. Immerhin, diese Abzweigung ist nicht zu übersehen. Also zweigen wir ab, die Strasse wird noch schmaler und der Wegweiser markiert 114km bis nach Anoual, dem nächsten Dorf…

Wir fahren im Nirgendwo, wunderschöne Gegend, wüstenähnlich oder besser gesagt reine Wüste, geradeaus bis zum Horizont! Ganz alleine ist man aber nicht, wir sehen immer irgendwo einen Schafhirten mit seiner Herde oder irgendwo in der Pampa ein Nomadenzelt. Wir cruisen etwa mit 70 km/h daher, viel mehr lässt das Geholpere nicht zu. Wir mussten sogar den Tisch ganz hinunter lassen, damit er nicht die ganze Zeit scheppert.

einfach immer weiter

Etwa 50km vor der Ortschaft Anoual winken am Strassenrand zwei Marokkaner mit dem Zeichen, wir sollen halten. Wir wissen, dass das hier so üblich ist, wenn sie mitgenommen werden wollen. Wir stoppen und sie fragen nach Anoual. Wir nicken, sie strahlen und wir weisen ihnen in unserem Knutschi einen Platz zu. Still sitzen sie da, sie sprechen kein einziges Wort englisch, französisch oder Spanisch, nur arabisch. Also unterhalten wir uns nicht. Einer der beiden entdeckt dann unsere USB-Dose mit dem eingestecken Ladekabel und so lädt er während der Fahrt noch sein eigenes Handy damit.

Endlich kommen wir in Anoual an und die zwei geben uns am einzigen Ort, wo wir einige Menschen sichten, das Zeichen zum Stoppen. Die zwei steigen aus, schütteln uns die Hände und bedanken sich sehr freundlich. Auch ein Kollege, der anscheinend hier gewartet hat, macht zu uns das Zeichen mit dem Daumen hoch und sie verschwinden im Markt. Denn tatsächlich, hier ist Markttag, darum wollten die beiden die 60km in diesen Ort reisen.

Auf den 114km haben wir insgesamt übrigens drei andere Fahrzeuge gesichtet, die auf dieser Strasse unterwegs waren.

Auch wir steigen aus, lassen unser Knutschi auf der Strasse stehen und schlendern durch diesen Markt. Viel gibt es allerdings nicht: Zwiebeln, Granatäpfel, Schafe, Ziegen, Hühner, Karotten, Peperoni, Datteln und ein paar Kleider und Plastikbecken. Mehr gibt es in dieser abgeschiedenen Gegend anscheinend nicht zu kaufen. Allerdings sehen wir tatsächlich ein Metzger, der auch schon tote, entfederte und ausgenommene Poulet verkauft. Normal leben die Hühner beim Kauf ja immer noch... Also kaufen wir so ein Poulet, Karotten, Peperoni und Zwiebeln, packen alles in meinen Pullover, den Taschen gibt es hier nicht, die müsste man selber mitbringen.

Marokkanischer Metzger mit 5 Poulets

Nach diesem kurzen Einkauf, der uns insgesamt etwa 50 Dhm gekostet hat, geht’s weiter. Allerdings wollen wir nicht mehr allzu weit fahren und so halten wir rund 10km später an einem Feldweg, folgen diesem dreihundert Meter weiter bis wir auf einen schönen, ebenen Kiesplatz mitten im ausgetrockneten Flussbett stehen.

Hier schlagen wir unser Nachtplatz auf, in einer wohl der abgeschiedensten Gegenden von ganz Marokko.

Den Sonnenuntergang schon etwa um 17 Uhr geniessen wir in vollen Zügen, ebenso wie unser gegrilltes Poulet, das praktisch kein Fett hat. War wohl ein sehr mageres Huhn, das nicht wirklich gemästet wurde.

Jetzt ist es draussen stockdunkel, also wirklich dunkel, eigentlich pechschwarz, nirgends ein Licht zu sehen ausser den funkelnden Sterne. Das gibt sicher noch tolle Nachtfotos!


Übernachtung

Anoual - Ain Ouaouizert****
frei

auf ebenem Kiessplatz

Koordinaten: 32.607482,-3.323591
letzter Besuch: 11.2018

Der Weg ist das Ziel 4.11.2018

Wieder unter Menschen und schon haben wir einen Teppich gekauft.

Der Weg ist das Ziel

Nach einer ruhigen einsamen Nacht erhalten wir am Morgen von zwei Soldaten Besuch. Sie sahen uns von der Strasse, drehten und fuhren direkt zu uns. Natürlich sahen wir sie kommen und mein Puls erhöhte sich rasant, nun ist eine List gefragt. Eigentlich ist frei Übernachten in Marokko nicht erlaubt, das Militär und die Polizei haben Angst, dass wenn einem Touristen etwas passiert, keine Touristen mehr ins Land kommen. Was sollen wir machen, wollen die uns jetzt verhaften? Das Auto hält neben uns, ich packe sofort meine Landkarte, trete aus dem Womo und gehe auf die beiden Soldaten zu. Sie grüssen freundlich, ich natürlich oberfreundlich zurück und frage sofort, ob sie mir eventuell eine Auskunft geben könnten. Auf der Landkarte frage ich nach einer Strasse, ob das eine Piste ist oder asphaltiert. Die zwei beginnen zu diskutieren, drehen die Karte mal links dann rechts und kommen danach zum Schluss, dass dies eine Piste sei. «Ok, dann können wir die nicht fahren, wir wollen auf der asphaltierte Strasse bleiben» entgegne ich den beiden. Sie scheinen irgendwie erleichtert zu sein und fragen dann, ob wir hier übernachtet haben und wohin wir noch wollen. Ist das jetzt eine Fangfrage? Ich bleibe bei der Wahrheit und zeige ihnen auf der Karte unsere Route. Die beiden wünschen uns freundlich eine gute Weiterfahrt, drehen ihr Fahrzeug und verschwinden wieder.

Komisch, irgendwie habe ich nun schon zum dritten Mal das Gefühl, dass die Einheimischen jedes Mal erleichtert sind, wenn wir sagen, dass wir nicht nach Marakkesch wollen, sondern weiter südlich. Auch weiss ich nicht so recht, was dieser Besuch für einen Sinn hatte. Egal, wir packen zusammen und beginnen unsere Tagesetappe.

In Talsinnt nehmen wir nun nicht die Strasse Richtung Süden, da die nach Infos der Soldaten später in eine Piste wechselt. Und die geschotterten Pisten wollen wir mit unserem Knutschi eigentlich meiden, denn wir haben ja kein Ersatzrad dabei. Also folgen wir der Strasse weiter durch die fantastische Hochebene mit der schmalen Strasse ohne Verkehr. Irgendwann nach einem ganzen Stück sehen wir plötzlich links eine asphaltierte Strasse wegführen. Wir fahren aber etwa einen KM weiter, halten dann und schauen auf der Karte, wo diese Strasse hinführt. Es wäre genau unsere gewünschte Richtung aber auf der Karte ist die Strasse so klein eingezeichnet, dass es bestimmt nicht alsphaltiert ist. Aber wir wollen sie dennoch versuchen, würden wir doch etwa 70km Weg sparen und umdrehen können wir immer noch. Zuerst müssen wir aber mal hier auf der Strasse wenden…

Wendemanöver auf der Hauptstrasse

Die kleine Strasse ist durchgehend asphaltiert, war früher aber bestimmt eine Offroadstrecke. Insgesamt drei Gruppen mit Motogrossfahrer und Jeep-Möchtegern-Offroader kommen uns auf den nächsten 50km entgegen. Ha, denen vermiesen wir wahrscheinlich ihre Ego-Tripp-Bluff-Tour in Marokko. Zu Hause erzählen sie, was für gefährliche geile Offroadpisten sie abgefahren sind und im Hintergrund auf dem Foto steht unser Knutschi…

Der Weg ist das Ziel

Während der Fahrt entscheiden wir, dass unser Tagesziel die Stadt Midelt ist, einem Zentrum für Offroadfreacks, die den Cirque de Jaffar erklimmen wollen. Das liegt aber mit unserem Knutschi echt nicht drin. Aber in einem Bericht darüber meinte ich gelesen zu haben, dass Midelt einen Campingplatz hat. So fahren wir aufs geratewohl in die Stadt, schliesslich wollen wir noch einkaufen. Schnell sehen wir auch ein Schild mit Municipal Camping und keine fünf Minuten später haben wir auf dem menschenleeren Campingplatz Stellung bezogen. Irgendwie fühlt es sich so sicher und heimelig an, an einem Ort in der Stadt, wo man sicher übernachten kann.

Etwas später kommt dann der Campingplatz Chef mit einem Begrüssungstee und den Formularen. Er plaudert und spricht recht gut Französisch. Wir fragen ihn, ob man hier irgendwo eine Tajine kaufen kann. Klar doch, und was wir sonst noch brauchen. Wir sollen hier warten, er schicke grad einen alten Berber von den Bergen vorbei, der könne alles organisieren.

Kurze Zeit später kommt ein kleines, altes Männchen zu uns, setzt sich und beginnt zu erzählen. Ich gebe jetzt einfach wieder, was ich verstanden habe oder gemeint habe, zu verstehen. Ich weiss auch nicht, was alles Verkaufslatain ist und was echt.

Er ist ein alter Berber aus den Bergen, der gestern eine Tagesreise hergereist ist. Hier auf dem Campingplatz bekomme er jeweils ein Zimmer, wo er schlafen kann. Dann sei er heute Morgen auf den Markt um seine Berberware zu verkaufen, heute schlafe er nochmals hier und reise morgen wieder einen Tag nach Hause. Er habe zwei grosse Kinder und drei Kleine in den Bergen.

Ob wir Lust haben, seine Berberware anzuschauen. Klar haben wir, obwohl wir genau wissen, dass das für uns der Entscheid ist, etwas zu kaufen. Er bittet uns in sein Schlafzimmer auf dem Campingplatz und beginnt ein paar Teppiche auszurollen und erklärt bei jedem, aus was für Material er ist, was die Zeichen darauf bedeuten. Es sind echt schöne Teppiche, fein gewoben in verschiedensten Techniken. Jetzt ganz ehrlich, wir wollten echt einen feinen, relativ grossen Teppich für unser Womo, den wir auch als Schlafdecke oder als Picknickdecke verwenden können. Das soll jetzt nicht als Ausrede gelten, wollten wir echt, wirklich. Wir lesen einen wirklich schönen Teppich aus, aus echter Wolle von lebendigen Schafen, mit Zeichen der Berber die einen beschützen, wo jeder Berber mindestens einen im Zelt haben muss. Der Teppich hat eine Frau vier Monate gewoben. Diese Berberfrauen weben höchstens zwei Teppiche pro Jahr, denn für mehr haben sie keine Zeit, neben den normalen Hausarbeiten, usw usw.

Teppich gekauft


Dann erklärt uns Asaul, so heisst der alte Berber, dass er nun einen Preis auf einen Zettel schreibt, wir unseren Preis darunter, was er uns wert ist und dann wird die Mitte genommen. So mache man dies unter echten Berbern.

Sein Preis auf dem Zettel 2850 Dhm, etwa 285 CHF, wir schreiben 1800 drauf und bezahlen danach 2300 Dhm. Ganz ehrlich, das finden wir einen fairen Preis. Letztes Jahr haben wir für zwei Teppiche bei einem Händler ungefähr 600 CHF bezahlt und jene waren ein Stück kleiner. Und echt, ich glaube Asaul fast alles, was er uns erzählt hat.

Danach fragt er uns, ob wir eine alte Kasbah besichtigen wollen, die über 800 Jahre alt ist und rund 300 Menschen drin wohnen. Klar wollen wir, aber wir haben keine Ahnung, was eine Kasbah eigentlich ist (Wikipedia: durch Mauern abgegrenzte und früher hier stationierten Militäreinheiten bewachte Burg- oder Festungsanlage oberhalb oder innerhalb der Altstadt). Also laufen wir mit Asaul los. Unterwegs kauft er Anita noch eine Wasserflasche, denn schliesslich ist der Weg das Ziel. Irgendwann biegen wir in diese Kasbah ab, und es ist nicht respektlos gemeint, aber bei uns leben die Kühe komfortabler wie hier diese Menschen. Es geht durch Tunnels unter Mauern hindurch, zwischen schmalen, dreckigen Gassen bergwärts in Hinterhöfe, wo Menschen lachen und Wäsche aufhängen. Und voller Stolz erzählt unser Fremdenführer, wie die Leute hier leben und Feste feiern, aber beim letzten Regen sei dort eine Mauer zusammengestürzt, darum sehe es nicht so aufgeräumt aus.

in der Kasbah von Midelt unterwegs

Es war eindrücklich, so etwas zu sehen, auch wenn wir froh waren, als wir wieder draussen waren. Asaul redet mit den Frauen auf der Strasse, stellt sie uns vor und unser Spaziergang wird immer länger. Der Weg ist das Ziel. Irgendwann stehen wir etwas oberhalb der gesamten Stadt und er sagt, wir sollen doch Fotos machen. Ist doch herrlich, diese Aussicht! Wir enttäuschen ihn nicht und finden es ebenfalls herrlich, auch wenn heute jeder Ausblick auf unserer Fahrt schöner war.

Nach über eineinhalb Stunden sind wir dann ziemlich erledigt auf dem Campingplatz zurück, wo uns grad das bestellte Nachtessen (natürlich Tajine) im Womo serviert wird.

Das Abendessen im Womo serviert

War das wieder ein Tag!


Übernachtung

Midelt - Camping Municipal***
Camping

ziemlich schön

Koordinaten: 32.677723,-4.737688
letzter Besuch: 11.2018

Reisestrecken

unseres Reisestrecke