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Marokko 2017
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Reisebericht

Eine marokkanische Tajine zum Abendessen 6.11.2017

Lagerfeuerromantik auf dem Campingplatz mit selbstgemachter Spezialität

marokkanisch kochen

Die gestern auf dem Markt gekaufte Tajine schreit heute geradezu, gebraucht zu werden. Also müssen wir uns zuerst mal erkundigen, wie das genau geht. Schnell wissen wir, dass vor dem erstmaligen gebrauch der Teller und der Deckel drei Stunden im Wasser eingelegt sein müssen, damit sie sich richtig voll saugen können. Es gibt auch glasierte Tajine, aber der gestrige Marktverkäufer riet uns davon ab, die seien nur für die Touristen zum Ausstellen und die müsste man auch nicht in Wasser einlegen.

Also wird heute nichts mit Weiterfahren, wenn wir abends damit kochen wollen. Und die Dinger in Wasser einlegen, gar nicht so einfach, Unser Wasserkessel hat zu wenig Durchmesser und der Waschtrog ist zu wenig tief. Aber wir finden trotzdem eine Lösung und warten dann drei Stunden. Ich arbeite für einen Kunden dringende Dinge ab, Anita lernt für ihre Prüfung.

Beim Whisky (marokkanischer Minztee)

Endlich sind die drei Stunden um und es kann weiter gehen. Im unteren Teil muss ich nun ein Feuer machen mit der gestrig gekauften Holzkohle. Ein schön kleines, denn die Schüssel muss langsam erwärmt werden. Als Tipp müssen wir viel Olivenöl und Zwiebeln miterwärmen. Nach gut einer Stunde über dem Feuer ist die Tajine eingekocht und vom Öl hat sie eine Art Teflonbeschichtung bekommen. Nach dem Abkühlen ist sie bereit, gebraucht zu werden.

Nun müssen wir noch auf den Markt, kaufen Kartoffeln, Tomaten, Peperoncini und Karotten, insgesamt drei Kilo Gemüse zusammen für 20Dh, weiter erstehen wir noch ein Kilo leckere Mandarinen für 10Dh, und beim Metzger 1kg Trutenfleisch für 45Dh, eingepackt in Papier. Fladenbrote und etwas Süsses kaufen wir beim Bäcker für 8Dh und die Bündel voller Kräuter für Minztee und als Würze nochmals 25Dh. Man muss jeweils alles durch zehn rechnen, wenn man die Währung zu unserer umrechnen will. Das Abendessen wird also ziemlich günstig.

unser Einkauf

Danach schnell nach Hause, mit Kohle anfeuern, Gemüse und Fleisch schneiden, Öl in die heisse Tajine giessen, alles geschnittene hineinschütten, würzen und dann den Deckel drauf. Zuoberst auf dem Deckel gibt es ein kleines Gefäss, wo kaltes Wasser rein kommt. Im Innern wird nun so Dampf gemacht, dieser steigt auf und am obersten Punkt des Deckels, kondensiert der Dampf wegen des kalten Wassers und es Tropft wieder in die Schüssel zurück. Es geht also überhaupt kein Geschmack irgendwo verloren! Und so kochen die Wüstenvölker schon seit Jahrhunderten!

Nach etwa 45 Minuten können wir den Deckel wegheben, und mit der Gabel und dem Fladenbrot essen wir direkt aus der Tajine. Das Gericht, egal was es drin hat, heisst immer gleich wie das Kochgeschirr: Tajine. Wir hatten eine echt leckere Tajine, allerdings etwas gar scharf. Anita meinte es etwas zu gut mit den Gewürzen…

Da man nur das eine Kochgeschirr und zwei Gabeln braucht, ist auch ganz schnell und wassersparend abgewaschen, also das perfekte Campermenu!

beim Abendessen

Jetzt sind wir sicher schon halbe Marokkaner und wir rätseln, ob all die Franzosen auf dem Campingplatz, wo sie wochenlang bleiben, auch schon mal so etwas ausprobiert haben? Wir glauben nicht, denn sie schauen nur hin, kein einziger sagt oder fragt etwas, ein echt komisches Völkchen. Nur der Platzchef kommt schnellen Schrittes und strahlt über das ganze Gesicht, als er uns beim Kochen in der Tajine erwischt und sagt, das sei das beste Essen in Ganz Marokko!

Jetzt sitzen wir im Dunkeln draussen, schauen in die Glut, während dem vom Minarett wieder die Gebetsgesänge klingen und Anita beginnt noch, eine Banane in der Glut zu braten.

Die Gebetsgesänge beginnt der erste übrigens um 5 Uhr morgens, dann irgendwann um 11 Uhr und halb drei, um 17 und jetzt um 19 Uhr. Gibt es da Regeln, weiss das jemand?

der gestern gekaufte Schmuck

Übernachtung

Tiznit - Camping Municipal****
Stellplatz

tolle Lage sehr nahe am Zentrum

Koordinaten: 29.694192,-9.725769
letzter Besuch: 11.2017

Chamal und das Tor von Legzira 7.11.2017

Wir verbringen mit einem lustigen Marokkaner und Ex von Angelina Jolie den gesamten Nachmittag.

Tor von Legzira

Wir fahren relativ früh von Tiznit weg, erwischen aber zuerst zweimal die falsche Richtung, denn Wegweiser sehen wir da keine. Erst als wir unsere Offlinekarte auf dem Handy aktivieren, wissen wir, wo wir sind und welche Richtung wir einschlagen müssen.

Gegenverkehr

Die Strasse durch Niemandsland über Hügelketten zum Meer ist einfach wieder schön. Verkehr hat es fast keinen, links und rechts meistens Sand und es wird wärmer und wärmer. Das Maximum erreichen wir bei 32 Grad. Nicht schlecht für November. Aber ab da geht es wieder ans Meer und da wird es dann auch wieder etwas kühler.

es ist warm

Wir kommen in Sidi Ifni an und haben die Wahl zwischen drei Campingplätzen. Wir entscheiden uns für den mittleren direkt am Strand. Allerdings keine direkte Meersicht vom Womo aus, da Mauern den gesamten Campingplatz umschliessen. Für heute aber kein Problem.

Kurz darauf marschieren wir mit der Fotoausrüstung ins Städtchen, um einen Geldautomaten zu suchen. Gar nicht so einfach, und viel los ist hier nicht. Ein mittelalterlicher Marokkaner sitzt auf der Strasse mit riesigen Kopfhörern und sieht, dass wir etwas verloren umherirren. Er kommt auf uns zu und fragt, was wir suchen. Selbstverständlich begleitet er uns zum nächsten Bancomat, nicht ohne uns vorher mit Stolz noch Fotos von früher vom Städtchen zu zeigen, als die Spanier noch ier waren.

Nach dem Bancomat fragen wir Chamal, wie wir am besten zum Tor von Legzira kommen, einem bekannten Fotosujet aus der Gegend. Er würde den Bus nehmen, das sei am günstigsten. Allerdings gebe ich ihm dann den Auftrag ein Taxi zu finden, was er mit bravour löst und mit dem Taxifahrer auch ziemlich verhandelt, damit wir einen guten Preis bekommen. Dann frage ich ihm, ob er nicht Zeit hat, uns diesen Felsbogen zu zeigen und da hellt sich seine Miene noch mehr auf und er steigt mit uns ins Taxi und beginnt zu erzählen. Er habe mal in München gelebt, darum spreche er so gut deutsch (wir verstehen aber nur ca. 30% von dem, was er sagt) und dass er in jungen Jahren ein Hippie und Surfer war, jede Woche eine andere Frau hatte und dass das ein schönes Leben war. Als Moslem darf man das, solange man nicht verheiratet ist und Kinder hat. Sogar Angelina Jolie kenne er und sie seien auch ein paar Monate zusammen gewesen. Aber dann habe sie Brat Pitt geheiratet und zwischen ihnen sei es aus gewesen. Allerdings hätten sie noch heute Kontakt miteinander. Ebenfalls kenne er den König von Marokko, dem er mal einen Gefallen gemacht hätte und darum von ihm 40‘000 Euro bekommen hätte, das ihm dann aber später gestohlen wurden. Er habe acht Brüder und vier Schwestern und sei nun mit 36 Jahren das Oberhaupt der Familie, darum sei es in Marokko besser, als Knabe geboren zu werden wie als Mädchen. Ein Gramm Haschisch koste hier nur 1€, falls wir einen Joint wollen, könne er ihn organisieren. Wir lehnen aber dankend ab. Und so weiter und so fort!

Tor von Legzira

Als wir in der Nähe des Felsbogens ankommen, müssen wir noch ca. zwei Kilometer laufen, einer davon dem Strand entlang, bis wir beim Felsen ankommen. Wir machen ein paar gute Fotos und ich überlege mir schon, wie wir Chamal dann auch wieder los werden. Er will uns schon zu sich zum Abendessen einladen. Auf dem Rückweg laden wir ihn dann noch in ein Restaurant ein, denn wir haben Durst. Er wählt es aus und kennt anscheinend wirklich alle hier in der Gegend. Und einige Geschichten, die er uns auftischte, scheinen doch wirklich zu stimmen. Und auch hier schaut er, dass wir nicht zu viel bezahlen müssen.

Als wir wieder kurz vor der Hauptstrasse ankommen, fährt gleich der Bus weg. Aber Chamal sagt, kein Problem, wir machen Autostopp das komme günstiger, ein Taxi komme hier sowieso nicht so schnell.

Chamal und Anita am stöppeln

An der Hauptstrasse steht Chamal an den Strassenrand und hält gleich das erste Auto auf. Es sind zwei Surfer in einem Jeep, die uns sofort mitnehmen. Zwischen Surfbrettern und einem Hund zwängen wir uns zu dritt auf die Rückbank. Die Surfer und Chamal palavern in einem fort, bis kurz vor dem Städtchen Sidi Ifni, denn dort hat es wieder eine der vielen Polizeikontrollen. Die Surfer schnallen sich nun beide an, drehen das Radio stumm, setzten die Sonnenbrillen ab und warten ganz brav am Stoppschild, bis sie vom Polizisten herangewunken werden. Sie dürfen aber ohne Kontrolle durchfahren, danach Radio aufdrehen, Sonnenbrillen anziehen, Gurte lösen und weiter palavern.

Direkt vor dem Campingplatz laden sie uns aus und ich überlege mir 1000 Ideen, wie ich nun Chamal loswerden kann und wieviel Trinkgeld er wohl verlangen wird. Ich bin auf alles gefasst! Während der Rückfahrt habe ich mir überlegt, wieviel mir seinen Dienst heute wohl Wert ist. Er war immerhin den gesamten Nachmittag mit uns unterwegs, wir haben eine Taxifahrt gespart, die im Hinweg rund 85 Dh gekostet hat, er hat uns die günstigsten Lokale fürs Abendessen gezeigt (25 Dh für gebratenes Poulet mit Pommes und Salat), auch einen Markt, wo nur die Einheimischen einkaufen und ob wir diesen Felsbogen ohne Chamal gefunden hätte, bezweifle ich stark. Also zücke ich vor dem Campingplatz 200Dh hervor, (ziemlich viel, aber es war mir das wirklich wert) und stellte mich schon auf harte Verhandlungen ein. Aber Chamal strahlt über das ganze Gesicht, bedankt sich und macht sich schnell davon. Anscheinend ist er doch nicht so reich, wie er erklärt hatte ;-)

Auch wenn er mit nur 100Dh zufrieden gewesen wäre, ich bereue dieses Trinkgeld in keinster Art und Weise, denn er hat uns wirklich geholfen, war nicht aufdringlich, sehr freundlich und hatte ein lustiges, sehr ansteckendes Lachen. Es war heute ein schöner Nachmittag mit Chamal.

Übernachtung

Sidi Ifni - Camping***
Stellplatz

eingemauert wie fast überall

Koordinaten: 29.385281,-10.173082
letzter Besuch: 11.2017

Steine, Dromedare und alles gerade aus 8.11.2017

Erster Vorgeschmack auf die Wüste und wir nehmen einen Autostöppler mit

Warnung vor Dromedaren

Heute Morgen verabschieden wir uns vom Meer mit guter Laune und sind extrem gespannt, was uns im Landesinneren alles erwartet. Wir wollen ungefähr 200km fahren und dann irgendwo zwischen Assa und Icht einen Übernachtungsplatz finden.

Wir kommen gut aus Sidi Ifni raus, nicht ohne vorher in so einem marokkanischen, extremwinzigen Supermarkt noch zwei 5l-Flaschen Wasser und Brot zu kaufen. Man weiss ja nie, wenn wir in die Wüste kommen...

Und dann geht es los Richtung Guelmim. Die Gegend ist etwas bergig und schon karg und trotzdem stoppen wir schon einige Male, um Fotos zu machen. Wir sind einfach fasziniert von der Landschaft. Hin und wieder überholt uns ein PKW oder wir einen alten Camion. Die Strassen sind eigentlich ganz gut.

eindrückliche Gegend

Erst in Guelmim ist wieder etwas los, die Schüler sind gerade auf dem Heimweg, überall ist viel Betrieb und es hat sogar wieder ein paar Ampeln. Unser Knutschi findet den Weg zwischen Taxis, Eselkarren, Fussgänger und Mopedfahrer durch die Stadt problemlos. Ausserhalb Guelmim gibt es eines der grosses Einkaufszentrum Marjane. Wir lassen es aber links liegen, uns gefallen die ganz kleinen irgendwie besser, die sind auch viel günstiger, da sie nur einheimische Ware anbieten.

Ausserhalb Guelmim Richtung Assa wird die Strasse frisch asphaltiert, man winkt uns mit Handzeichen durch die Baustelle und danach haben wir über viele Kilometer einen nigelnagelneuen, ausgezeichneten Bodenbelag und es rollt einfach perfekt geradeaus.

geradeaus

Dann sehen wir unser erstes Schild, dass uns vor Dromedaren warnt und schon 500m später eine riesige Dromedarherde, die über karges Land zottelt. Natürlich müssen wir stoppen und einmal mehr Fotos machen. Das Land nimmt uns total in den Bann.

Dromedarherde

15km vor Assa macht ein alter Tuareg in seinem blauen Gewand und schwarzen Turban Autostopp. Und da wir seit längerem keinem anderen Fahrzeug mehr begegnet sind, halten wir ein und laden in ein, mit uns bis Assad zu fahren. Er nimmt dankend an, spricht aber leider kein Französisch, wahrscheinlich nur Arabisch und den hiesigen Berberdialekt. Beim Ortseingang Assa kommen wir noch in die Polizeikontrolle, das erste Mal, dass sie uns nun anhalten und kontrollieren. Wahrscheinlich müssen die zwei Polizisten sich vor Langweile die Füsse in den Bauch stehen, denn wir haben schon lange kein Auto mehr gesehen.

Mit unseren beiden Pässen verschwinden sie in ihrem Karbäuschen und kommen einige Minuten später zurück und fragen uns, wohin wir gehen. Ich will im sagen, dass wir irgendwo nach Assa einen Platz suchen wollen. Allerdings macht er mir klar, dass es da kein Campingplatz gibt. Und als ich dann was von der Ortschaft Icht sage, nickt er freundlich und sagt, dass wir uns da vorne dann links halten sollen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass er uns genau registriert und seinem Kollegen in Icht auch telefoniert hat, dass irgendwann ein Womo kommt. Frei campen ist in Marokko verboten, aber nicht aus umweltschutzgründen, sondern die Regierung hat einfach Angst, dass irgendetwas passieren könnte und dann keine Touristen mehr kommen. Also wird rigeros kontrolliert.

Ungefähr im Zentrum lassen wir dann unseren Fahrgast aussteigen, er schüttelt uns die Hand und macht sich davon. Was er wohl heute seiner Familie alles erzählen wird?

Wir biegen Richtung Icht ab und wissen genau, dass wir heute dort noch durch die Kontrolle müssen. Die 60km zwischen Assa und Icht gehen mehr oder weniger Geradeaus, doch die Strasse ist etwas rumpeliger. Auf diesem ganzen Weg sehen wir kein einziges Auto, nur ein mopedfahrender Thuareg, viele Dromedare und Esel, ein paar Beduinenzelte und millionen von Steinen. Man könnte echt meinen, wir seien schon in der Wüste.

Wüstenbewohner

Kurz vor Icht wieder die obligate Polizeikontrolle und dann sehen wir schon ein Schild Camping. Wir folgen dem Schild über eine staubige Sandpiste bis wir in einer lieblichen Oase mit Dattelpalmen und Pool landen. Wir sind die einzigen Gäste und der Besitzer entschuldigt sich, dass sie momentan überall noch eine Baustelle haben, da sie gerade renovieren. Wie lange sind sie wohl schon dran ;-) ? Wir klauen im dafür einige Datteln, die er sonst an den Palmen vertrocknen lässt und lassen sie uns herzlich munden.

Uns gefällt es aber trotzdem und wir richten uns bei ca. 30 Grad schön bequem ein. Obwohl es den ganzen Tag bewölkt war, ist es doch sehr warm und trocken, man hält es also sehr gut aus.

Etwas später wollen wir dann noch ins Städtchen, mal schauen, ob dort überhaupt etwas los ist.

Übernachtung

Icht - Camping****
Stellplatz

kleine Oase

Koordinaten: 29.046460,-8.845950
letzter Besuch: 11.2017

Der Abend in Icht 9.11.2017

Ein Abendspaziergang mit vielen neuen Eindrücken

Der Weg ins Dorf

Gegen fünf Uhr gestern Abend wollen Anita und ich noch ins nahe gelegene Dorf. Der Campingplatzbesitzer erklärt uns, wo es durch geht: aus dem Campingplatz heraus, dann der Mauer entlang und dann die Piste immer geradeaus. Ganz einfach.

Wir sind im Offroadbereich, Piste werden die Strassen genannt, die nicht befestigt sind. Also laufen wir los. Die erste Abzweigung des sandigen Weges finden wir ohne Probleme, dann geht es zwischen Palmen Richtung Dorf. Allerdings alle 100m zweigt wieder eine andere Piste in irgendeine Richtung ab und geradeaus geht keine. Nach etwa 15 Minuten erreichen wir dann das Dorf, sicher nicht auf dem küzesten Weg, aber immerhin. Zwischendurch kommen uns noch zwei Hirtinnen mit einer Ziegenherde und zwei Esel entgegen.

Begegnung

Im Dorf fühlt man sich dann 1000 Jahr zurückversetzt, viele verfallene, kleine Lehmhäuser, aber Kinder spielen auf der Strasse und auch die Frauen sind unterwegs Richtung oberen Teil des Dorfes. Alle sind verschleiert, nicht mehr mit den farbigen Gewändern, sondern der Schleier ist nun bei allen Schwarz. Wir laufen einfach die Richtung, die die Frauen auch gehen. Sie sind freundlich, tratschen untereinander, grüssen uns mit einem freundlichen „Bonjour“ obwohl es Abend ist, und kichern jeweils, wenn wir vorüber sind. Irgendwie sehen wir wohl nicht standesgemäss aus. Auch die Kinder sind überfreundlich und geben uns sogar die Hand. Wahrscheinlich erwarten sie irgendein Trinkgeld, aber keines getraut sich, uns zu fragen oder gar zu betteln. Sie gehen aber alle Leer aus, denn einfach so Geld oder anderes verteilen wir nicht, das gibt es nur für eine Gegenleistung.

Dorfeingang

Die Menschen auf den Strassen vermehren sich, die Männer sitzen vor den Häusern, Flicken uralte TV-Geräte oder trinken Tee, die Frauen laufen Richtung Dorfzentrum. Als wir dort ankommen, gibt es etwa sechs- sieben Markstände, d.H. Händler haben ihre Sachen auf Tüchern am Boden ausgelegt. Die Frauen mit ihren Kindern sind alle dort, stehen um die Händler rum und kaufen Dinge, die eher nach Occasionen aussehen. Es ist ein reges Treiben am Ende der Welt zwischen Lehmruinen und Staub. Als ich die Situation mit einem Foto einfangen will, rücken einige erschrocken zurück und drehen sich blitzschnell um. In alten muslimischen Gemeinschaften stiehlt man einer Person die Seele, wenn man sie fotografiert. Anscheinend sind sie hier viel religiöser wie in den bisher gesehen Ortschaften. Darauf schliesst auch, dass alle nur schwarze Kopftücher tragen und der Muezzin, der vom Minarett die Beetgesänge vorträgt, hier nicht einfach nur ein Lautsprecher ist, sondern eine wirkliche Person auf dem Minarett. Und die Gesänge dauern hier nicht einfach zwei-drei Minuten sondern eine geschlagene halbe Stunden.

das einzige Bild vom Markt

Fortan bleibt auf dem Markt der Fotoapparat unten und ich mache keine Fotos mehr. Wir kaufen bei einem Gewürzhändler ein halbes Kilo Paprika, halbes Kilo Curry, 250g Ingwer und ein halbes Kilo Linsen, alles zusammen 4.50 €. Danach machen wir uns wieder auf den Weg zurück.

Beim Dorfausgang wird es dann schwierig. Welche Piste ist es jetzt genau? Wir haben keine Übersicht mehr, wissen nur noch die ungefähre Richtung. Da Entdeckt Anita im Sand ihre Sandalenspuren vom Hinweg. Wir sind gerettet und so laufen wir wie Fährtenleser den eigenen Spuren nach nach Hause. Es wird nur dort knifflig, wo wir der Ziegenherde begegnet sind, aber auch das meistern wir perfekt und treffen wohlbehalten beim Campingplatz ein.

Der Besitzer lädt uns zu einem Tee ein und erklärt voller Stolz, dass er ein richtiger Berber ist, schon immer hier gelebt hat und nie weg will. Immerhin kann er einigermassen Französisch, wenn das hier auch nicht selbstverständlich ist. Das Wüstenvolk der Berber hat ihre eigene Sprache und eigene Schrift. Wir schenken ihm dann noch einige mitgebrachte Schweizer Schoggi-Brügeli, was ihn sichtlich freut.

Danach müssen wir uns beeilen, denn es ist schon stockfinster und wir wollen noch auf unsere Tajine kochen. Mit Holzkohle ist schnell ein Feuer gemacht (wie gut das in diesem Stöfchen brennt!) und lassen es uns bis weit in die Nacht schmecken, sitzen um das kleine Lagerfeuer und erzählen uns von allen möglichen Dingen. Wie richtige Berber eben.

Vorbereitung Abendessen und der Schuhabdruck, der uns rettet

Offroad 9.11.2017

Icht - Tafraoute, die coolste Womostrecke ever ohne 4x4

Piste im breiten Flussbett

Man soll sich mit Superlativen eher zurück halten, aber was wir heute gesehen haben übertrifft alle Erwartungen. So etwas kann man sich gar nicht vorstellen.

Wir wollen heute von Icht nach Tafraoute fahren, direkte Route, 110km. Allerdings weiss ich auch, dass zwischendurch eine Piste kommt, also nicht asphaltiert ist. Darum frage ich vor der Abfahrt den Platzwart, wie die Strassenverhältnisse sind. Ach, kein Problem, super schön und nur etwa 4 km holprig, der Rest ist alles perfekt. Wenn ein Marokkaner sagt, 4km dann rechne ich mit 8 km, denn sogar die Kilometerzahlen der Wegweiser geben eher etwas unter dem Minimum an, wie zuviel. 8km Piste sollte also zu machen sein.

Wir fahren also von Icht weg Richtung Norden. Schon hier sind wir fasziniert von der Strasse durch die Wüste Richtung Berge. Schon da stoppen wir, um Fotos zu machen. Nach ein paar Kilometer müssen wir rechts abzweigen und einem riesigen Flussbett ohne Wasser folgen. Als wir 24km auf dem Tagestacho haben, müssen wir das Flussbett ein erstes Mal durchqueren. Asphalt gibt es nun keinen mehr und die Piste folgt dem Flussbett, mal rechts, mal links. Jedes Mal wenn der Fluss Wasser führt, werden die ganzen Wege weggeschwemmt und müssen danach wieder angelegt werden. Auf der rechten Seite des Flusses sind nun arbeiten im Gange, um dort in der Höhe eine Strasse zu bauen. Wir allerdings fahren immer noch im staubigen Flussbett, es rüttelt und schüttelt, wir fahren höchsten 10km/h. Immer wenn wir die Flussseite wechseln müssen, ist eine betonierte Furt unser Weg, jeweils zur Hälfte weggespült und es schüttelt noch mehr wie auf der Piste.

Kreuzung von ein paar Pisten

Links und rechts ragen hohe, gelbe Felsen in den Himmel und wir kleine Europäer in riesigen Flussbett und Steinwüste. Wir sahen schon lange kein Auto mehr, und das sollte auch so bleiben Auf 70km Fahrt sahen wir kein einziges anderes Auto!

Wir kommen zum Staunen einfach nicht heraus, die Gegend ist einfach fantastisch. Nach vier Kilometer im Flussbett ist keine Änderung in Sicht, bei 8 auch noch nicht, auch nicht bei 12km. Dann, nach 14 km kommen wir wieder auf etwas asphaltierte Strasse. Allerdings zwischendurch immer wieder staubige Piste. Die Schlucht und die gelben Felsen werden immer imposanter. Wir können uns einfach nicht sattsehen und stoppen mindestens jeden Kilometer um Fotos zu machen.

Oase mit Stadt

Inzwischen geht es steil, sehr steil berghoch. Die Strasse rau und holperig, und zwischendurch kommt wieder ein grüne Oase mit Palmen und Gärten unten im Tal. Die Berghänge immer steiler und immer noch gelb.

steiles Pässchen

Es ist unsere imposanteste Fahrt und schönste Strecke, seit wir unser Wohnmobil haben, nicht mal Norwegen oder Schottland hat da eine Chance. Und unser Knutschi meistert alles bravourös. Oben auf dem Pass angekommen, geht es Kilometerlang auf der Hochfläche durch die Mondlandschaft. Die Strasse ist nun besser, aber andere Menschen sehen wir immer noch keine.

Hochebene

Irgendwann kommen dann wieder Dörfer, die Gegend wird etwas grüner, aber immer noch faszinierend. Und dann beginnt es plötzlich zu regnen, nicht stark, aber wir sehen danach wenigstens wieder zu unserer Windschutzscheibe durch. Der Staub ist wenigstens ein bisschen abgewaschen. So schnell wie es begonnen hat, so schnell hört es wieder auf und die Sonne kommt wieder hervor.

Danach kommen wir in Tafraoute an, erschlagen von den Eindrücken und irgendwie fixfertig. Wir gehen nicht mal mehr die „blauen Steine“ anschauen, die kurz vor der Stadt eine Touristenattraktion sind. Was sollen wir künstlich bemalte Steine gucken, wenn wir eine so imposante Landschaft hatten!

Die Fotos heute können gar nicht zeigen, was wir erlebt haben und meine Beschreibung ist nicht annähernd so plastisch, wie diese Landschaft.

110km, viereinhalb Stunden Fahrzeit, 250 Fotos

Risikoreiche Abkürzung 10.11.2017

Wir fahren eine Abkürzung und wissen nicht, wie lange das gut geht

einfach wieder traumhaft

Erst gegen Mittag kommen wir vom Campingplatz weg. Wir müssen noch etwas in der Stadt erledigen (mehr dann am Sonntag) und sind so erst nach dem Mittag abfahrbereit. Wasser füllen und WC entsorgen geht reibungslos. Nur unser Knutschi und wir sind staubig, aber das macht ja nichts.

Vor der Abfahrt fragen wir den Campingplatzchef und einen Womomechaniker, ob wir die Abkürzung von Azgour nach Tichgach mit dem Wohnmobil fahren können. Denn wir würden fast 50km sparen, als wenn wir den Schlenker über Igherm machen müssen. Allerdings ist diese Abkürzung auf der Karte als weisse Strasse eingezeichnet und solche sind wir bis anhin noch nicht gefahren. Wenn ich an gestern denke, als wir quasi auf der Hauptstrasse (gelb eingezeichnet) 14km durch ein Flussbett fahren mussten…

Aber beide versicherten mir, dass das nicht geht, dort habe es keine durchgehende Strasse. Mist, müssen wir also den Umweg fahren, damit wir in Tata ankommen.

Wir fahren los, die Gegend ist einmalig und die dunkelgelb eingezeichnete Hauptstrasse ist wohl asphaltiert, aber höchsten 3m breit, dafür hat es links und rechts noch mindestens 1.5m Kiessbankett, wo man jeweils ausweichen kann, wenn Gegenverkehr kommen würde (kommt aber sehr selten). Plötzlich mitten im Nichts ein riesiger Kreisel bei einer Kreuzung mit einer Polizeikontrolle. Ich frage den Polizisten, wie wir am besten nach Tata kommen. Ob wir über Igherm wollen oder direkt? Direkt! Ok, das sei kein Problem, in sieben Kilometern einfach rechts. Das sei der kürzeste Weg.

Das tönt ja schon mal super. Wir fahren die sieben Kilometer und dort geht auch tatsächlich eine Strasse rechts weg. Strasse ist aber übertrieben, eher ein Feldweg. Den können wir unmöglich fahren. Also fahren wir geradeaus und nach weiteren 3 km gibt es nochmals eine Abzweigung nach rechts, asphaltierte Strasse und so ein kleiner marokkanischer Tante Emma Laden (Supermarkt) an der Kreuzung. Wir halten, kaufen ein und fragen den Verkäufer, ob wir diese Strasse nach Tata nehmen können mit dem Womo. Er nickt und sagt, „pas de Problem, seulement 33km“. Der Polizist vorher meinte wahrscheinlich auch diese Kreuzung, denn mit den Kilometerangaben muss man ja hier immer etwas aufrunden.

Nach einer kurzen Besprechung mit meiner Holden Kunigunde beschliessen wir, diese Abkürzung zu probieren. Wir können ja immer noch drehen und zurück. Und wenn es nur 33km sein sollen, rechnen wir mal mit 50km.

nur zweimal sah es so aus

Es geht los, schmal, steil, zuerst zwischen Häuser, dann wird es einsam, aber immer asphaltiert. Nach jeder Kurve rechnen wir mit einer Piste oder mit etwas, wo wir umdrehen müssen. Aber sowas kommt einfach nicht, im Gegenteil: einsame Weltklasse! Es sind schlussendlich etwa 45km, wir sehen keine Menschenseele, kein einziges Auto und fast alles (bis auf ca. 60m wo der Fluss Kies auf die Strasse gespült hat) alles asphaltiert. Es geht über Berge und durch Täler, immer gelben Berge mit ihren Erdkrustenzeichnungen im Blickpunkt. Einfach super fantastisch. Egal, ob Allah oder Gott, hier ist ein Meisterwerk erschaffen worden. Wir hätten nie gedacht, dass Marokko landschaftlich so schön sein kann. Immer denken wir, in der Schweiz ist die Natur am schönsten, aber da haben wir uns geirrt. Oder wie der Marokkaner gestern sagte: In Schweiz Berge weiss, hier in Marokko Berge natur!

einer von vielen Fotostopps

Wir brauchen lange bis wir die Abkürzung hinter uns haben, aber einfach, weil wir so oft aussteigen und Fotos machen.

wieder auf der Hauptstrasse

Wir kommen dann um 17 Uhr wieder völlig von den Eindrücken erschlagen in Tata an und finden dort vor einem Hotel einen Womostellplatz. Nicht gerade der romantischte, aber was soll‘s, es ist hier um 18 Uhr stockdunkel. Dafür werden wir heute dann mal auswärts essen gehen.

Ankunft in Tata

Aber zuerst folgt noch das schwierigste vom ganzen Tag: wie wähle ich für den Blog die schönsten fünf Fotos aus?

Übernachtung

Tata - Relais des sables**
Stellplatz

nichts besonderes, aber zum Übernachten perfekt

Koordinaten: 29.739160,-7.974547
letzter Besuch: 11.2017

Immer afrikanischer 11.11.2017

Auch die Musik wechselt von orientalisch zu afrikanisch

Wüste oder Steppe...

Beim gestrigen Abendessen im Hotel gab es eine marokkanische Tajine mit getrockneten Zwetschgen. War nicht schlecht, auch die Übernachtung war ok auf dem Hotelstellplatz. Aber super sieht anders aus.

Vor der Abfahrt machen wir aber noch einen Rundgang durch Tata, kaufen noch verschiedene Gewürze ein und auch Anita kommt endlich zu ihren grossen, farbigen Tüchern. Danach tanken wir unser Knutschi voll und machen uns weiter Richtung Landesinnere.

Afrika

Wir fahren von Tata die N12 bis nach Foum Zguid, 150km und wir durchqueren oder streifen insgesamt fünf Ortschaften, also alle 30km ein paar Häuser. Die Strecke verläuft meist ziemlich eben und geradeaus, selten kommt uns mal ein Laster entgegen oder uns überholt ein alter Pickup. Die Gegend wird immer sandiger, die Bäume sehen aus, wie die, die man auf Fotoprospekten von Safaris sieht.Meistens sind es aber nur Steine und Sand. Es ist nicht mehr so spektakulär wie die letzten zwei Tage, aber das macht nix, wir geniessen die Gegend und die Einsamkeit auch so.

auf dem Weg zum Fotopunkt

Sobald wir am Horizont ein paar Palmen sehen, wissen wir, dass wir bald auf eine Oase mit einer Ortschaft treffen. So ist es auch, als wir in Foum Zguid ankommen. Links zeigt uns eine Tafel den Weg zu einem Camping an. Die Zufahrtsstrasse ist wie immer etwas holprig, aber der Campingplatz eine schöne Oase.

Seit Tagen treffen wir da wieder auf ein anderes Wohnmobil, dieses Mal aus Holland. Wir machen noch einen Spaziergang durch das Dorf (oder ist das eine Stadt?) kaufen aber nix ein, es hat nicht wirklich viel hier. Auf dem Dorfplatz gibt es auf dem unebenen Gelände ein Fussballmatch, und es hat ziemlich viele Zuschauer, die im Staub sitzen und die gelben gegen die grünen anfeuern. Ist das der Vorgeschmack auf das heutige Länderspiel der Marokkaner gegen die Elfenbeinküste wo es um die Qualifikation der WM geht? (Marokko führt momentan 2:0).

Schleichweg im Dorf

Wieder beim Campingplatz bereiten wir uns wieder selber eine Tajine zu. Ich feuere das Stöfchen mit Holzkohle an, wässere den unteren Teil der Tajine und Anita schnetzelt Zwiebeln, Kartoffeln, Peperoni, getrocknete Aprikosen und Feigen, Tomaten und Knoblauch. Danach wird der Teller mit Olivenöl auf die glühenden Holzkohlen gelegt, viel Olivenöl hineingeschüttet, Zwiebeln angebraten und der ganze Resten hinzugeschüttet, gewürzt mit vielen Kräutern vom Markt und das Ganze mit dem Deckel zugedeckt.

beim Abend essen

Während wir warten, bis alles gar ist, tönt im Hintergrund Trommeln und afrikanische Musik aus dem Radio des Campingplatzes. Der Touch von Afrika kann hier keiner mehr wegreden, die Gegend sieht so aus, wie man sich Afrika vorstellt und jetzt auch noch die Musik. Sogar nicht alle heute durchfahrende Dörfer hatten ein Minarett und nicht mehr so viele Frauen sind ganzverschleiert. Wir nähern uns also immer mehr der Wüste und entfernen uns weiter von der technisierten Zivilisation. Obwohl, Handys hat glaub auch hier jeder….

Übernachtung

Foum Zguid - Khayma parc***
Camping

schön angelegt

Koordinaten: 30.079782, -6.871870
letzter Besuch: 11.2017

Medizinische und andere Notfälle 12.11.2017

Wir hatten einen kleinen Notfall, der nun aber glimpflich ablief.

Wir sind in Marokko, einem für uns fremden Land mit anderer Religion. Und das letzte was man hier braucht, ist ein medizinisches Problem. Leider traf das bei uns durch selbstverschulden ein. Anita startete diese Reise mit einer nicht ganz verheilten Blasenentzündung. Das geht ja dann schon irgendwie vorbei. Ging es auch zuerst, nur in den letzten Tagen wurde es wieder stärker und statt sich früh darum zu kümmern, wurden die Symptome einfach gekonnt ignoriert. Sie wäre ja entschuldigt, wenn sie nicht in einem Pflegeberuf arbeiten würde und nicht genau Bescheid wüsste. Langer Rede kurzer Sinn, in Tafraoute waren die Schmerzen dann so gross, dass wir etwas unternehmen mussten. Der Arzt von Anita gab ihr dann telefonisch den Rat für ein bestimmtes Antibiotika. Also marschieren wir los zu der nächsten Apotheke. Apotheken gibt es hier in ganz Marokko ziemlich viele, aber ob die Farben verkaufen, Naturheilmittel oder Quacksalberflüssigkeiten, von aussen nicht einsehbar.

Innen hatte unsere Apotheke ein paar Regale mit einzelnen Medikamentenschachteln. Sieht ja schon mal nicht so schlecht aus. Die mit Kopftuch bedeckte, junge Verkäuferin schaut etwas ratlos auf unseren Zettel und ruft dann den Chef. Dieser schaut auch skeptisch auf den Zettel, macht dann zwei Schritte zurück, nimmt eine Schachtel vom Regal und übergibt sie uns. Wir staunen Bauklötze, es ist genau das angegebene Antibiotikum in der richtigen Dosierung! Wow, die leben hier ja gar nicht hinter dem Mond! Da haben wir den Marokkanern Unrecht getan und entschuldigen uns echt dafür. Auch sind wir echt erleichtert und jetzt, 48 Stunden später, hat Anita keine Schmerzen oder Unwohlsein mehr. Es wird also alles gut.

Was wir aber auch noch sehen, ist eine Autogarage mit einem Wohnmobil-Reparatur Service!

Womowerkstatt

Da lasse ich es mir nicht nehmen, die Werkstatt scheu zu betreten und sofort erklärt mir der Besitzer, dass sie alles an Womos flicken können. Von überall kommen die Überwinterer und lassen ihre Defekte an den Womos reparieren. Er hat unzählige Fotos an den Wänden, von geflickten Womos und deren Besitzer, die er mir stolz zeigt.

die schon reparierten Womos

Sogar ein Einsatzfahrzeug hätten sie, wo sie Ersatzmaterial irgendwo hinbringen können. Gar keine schlechte Idee und einen super Service. Wir brauchen das momentan zwar noch nicht, aber hier wären die Koordinaten seiner Werkstatt „Garage chez Mohamed Farih“ (29.726029, -8.972452) und die Telefonnummer (0661 76 66 63) oder garage.chez.farih@hotmail.com, er spricht französisch und englisch.

Einsatzfahrzeug

Eine Stunde später will ich auf dem Campingplatz unser Wassertank füllen, aber die Wasserhähne haben in Marokko kein Gewinde. Also einfach Schlauch anstecken geht nicht überall. Einen guten Wasserdieb haben wir nicht, also basteln wir uns einen. Ich bin ziemlich stolz auf das Ding, bis ich versuche, damit den Wassertank zu füllen. Funktioniert überhaupt nicht! Richtiger Reinfall! Also hole ich unsere Spritzkanne und fülle den Tank manuell.

unbrauchbar

Das waren bis jetzt in den ersten zwei Wochen Marokko die einzigen Dinge, die nicht 100% optimal liefen. Wir können also mehr als zufrieden sein.

Ach ja, Notfall: in Tafraout habe ich mir doch wirklich noch einen (ähh zwei) Berberteppich aufschwatzen lassen. Aber meine holde Kunigunde hat riesen Freude, hat sie sich doch schon lange solche Teppich gewünscht, dazu später mal mehr, wenn ich das verdaut habe...

Sahara und Teilintegriert ohne 4x4 12.11.2017

Näher an die Sahara wie jetzt geht mit einem normalen Womo nicht mehr.

moderner Nomade mit seinem Kamel

Die letzten Teerstrassen sind verschwunden und die Zufahrt vor dem letzten Camping vor der Sahara waren nur noch harte Sandpisten. Etwas Wüstenfeeling also auch mit unserem Knutschi.

Jetzt sitzen wir auf dem Campingplatz La Boussole etwas erhöht auf einer harten Düne. Wir haben Rundumblick, drei Seiten Sahara, eine Seite das letzte Dorf Mhamid. Was für ein Platz!

Das erste das wir machten, als wir auf dem Platz ankamen, ein Gespräch mit dem sehr netten, zurückhaltenden Platzchef. Ob er er uns nicht eine Tour in die Wüste organisieren könne. Klar, das sei seine Spezialität.

Die ganz richtige Sahara mit den 300m hohen Sanddünen beginne erst nach 60km. Wenn wir mit dem Dromedar hinreiten wollen, brauchen wir drei Tage hin und drei Tage zurück. Ok, das ist uns zu lange. Schliesslich machen wir folgendes Programm ab: Morgen geht es um 10 Uhr mit einem Jeep los, Anita, ein Chauffeur und ich, Mittags essen wir in einer Oase und dann geht’s weiter in die Sanddünen. Dort gibt es einen einstündigen Dromedarritt und dann schlafen wir in einem festinstallierten Zelt. Wir hätten auch die Möglichkeit, in einem mitgebrachten Zelt irgendwo im Sand zu schlafen, aber grad sooo abenteuerlustig sind wir doch nicht, dass wir dann morgens so richtig Rückenschmerzen haben, kein WC weit und breit und nachts jämmerlich frieren. (Es war heute Nacht schon nur 10 Grad draussen, tagsüber aber wieder 27). Wir nehmen also das Komfortprogamm. Und das Gute daran, ich kann die gesamte Fotoausrüstung mitnehmen, denn nachts möchte ich in der dunklen Sahara noch irgendwie den Sternenhimmel fotografieren.

warm und trocken

Wir freuen uns wie bolle darauf. Aber bis wir hier waren, mussten wir noch 200km zurücklegen, alles durch wüstenähnliche Landschaften und man merkte, dass man sich langsam dem Ende der Welt näherte. Der Asphalt war nicht mehr ganz so gut, die Dörfer immer weiter auseinander (zwischen zwei Dörfern massen wir einmal 60km) und immer kleiner, nur gerade Zagora war noch ein Städtchen.

faszinierend

beim Kleiderkauf mit Tee

Dort hielten wir auch an und deckten uns noch mit Wüstenkleidern und ein paar Nahrungsmittel ein. Jetzt sind wir gut gerüstet und schon halbe Nomaden.

Ach ja, morgen wird es darum wohl keinen Eintrag geben, da wir abends in der Wüste kein Netz haben.

hübsch, oder?

Externe Links

Übernachtung

Mhamid - La Boussoule***
Stellplatz

letzter Platz vor der Sahara, rundum nur noch Wüste

Koordinaten: 29.828550,-5.732619
letzter Besuch: 11.2017

Teppichkauf in Tafraoute 13.11.2017

Wir wollten ein Brot und kamen mit zwei Berberteppichen zurück

2/3 der Anwesenden sind zufrieden

Als wir mit dem Womo ins Städtchen Tafraoute fahren (Vorteil Nr. 1 des Teppichhändlers: er sieht die Touristen kommen), hatten wir nicht die Idee, einen oder sogar zwei Teppiche zu kaufen. Klar, Tafraoute ist das Zentrum von Lederschuhen und der Berberteppiche und auch ein bisschen Touristenort. Die Leute sind freundlich und grüssen einem mit blauem Turban und langem blauen Kleid schon an der Kreuzung: „Ah, aus Sant Gallen!“. Es wäre besser gewesen, freundlich zu lächeln und weiter zu fahren. Aber so nehmen wir den Tipp des freundlichen Herren an: „da vorne schöner Campingplatz, auf ander sind Franzosen mit viel Lärm“ (Vorteil Nr.2 des Händlers: er weiss jetzt schon, auf welchem Campingplatz wir sind).

Nach dem einchecken kommt per Zufall der gleiche Mann auf dem Campingplatz vorbei: „Ah schön hier, du gehst in die Stadt, nur funf Minuten mit Füsse“. Dann darf man nicht sagen: „ja, wir gehen etwas später“.

Als wir dann etwas später wirklich noch in die Stadt laufen, schliesslich brauchen wir noch Brot, steht der blau bekleidete Thuareg natürlich wieder an der Hauptstrasse, lächelt und fragt, was wir suchen. Schon wieder verloren, da kann man antworten, was man will. Bei uns auf dem Weg zum Bäcker liegt natürlich gerade ein einheimisches Berber-Geschäft, „das in deutsche Reiseführer empfiehlt werden, mit Schmuck und Handwerkssachen“. Jetzt darf die holde Kunigunde ja nicht lächeln, Augenbrauen hoch ziehen und nachfragen: „Schmuck?“ Und schon ist man zu dritt auf Umwegen zum Geschäft. Die Konkurrenz darf nicht mitkriegen, dass man einen eventuellen Kunden an der Angel hat und diesen auch nicht an anderen Geschäften vorbeiführen, schliesslich muss er das Gefühl haben, ins einzig echte Berbergeschäft geführt zu werden.

Ist man im Geschäft, kann man sich getrost ungestört umsehen. Wahrscheinlich wird in der Zwischenzeit die Betreibungsurkunde, der Lohnausweis und die letzte Kreditkartenabrechnung aus der Heimat vom Händler gecheckt. Nach ein paar Minuten kommt dann Mohamed, der Chef, und führt uns in einen Raum für nur ganz spezielle Kunden. Er zeigt uns die ausgestellten Teppiche, erzählt etwas von Tradition, von alten Berberfrauen in den Bergen, und dass sie gerne knüpfen, da sie sonst nicht wissen, was machen. Wir müssen auch nichts kaufen, nur schauen, weil sie so stolz auf ihre Teppiche sind. Die Holde Kunigunde darf da gar nie auch nur das kleinste bisschen Interesse zeigen, auch nicht sagen, „das ist schön“ oder „der ist schöner wie der andere Teppich“ (Vorteil 3: der Händler merkt, wem was gefällt).

2/3 der Anwesenden beim Plaudern

Denn dann kommt sofort: „Sind sie von hier? Sie sehen aus wie eine echte Berberin, so hübsch.“ Die Holde Kunigunde merkt diese Süssholzraspelei erst Stunden später… Schaut sie sich dann zum zweiten Mal den gleichen Teppich an: „Schauen sie, absolut Top-Qualität, auf beiden Seiten verwendbar, das gibt es nur beim Stamm der …. (Name ist mir entfallen, war mir auch ziemlich egal). Man merkt, dass sie Augen für Qualität und Schönheit haben“ (Süssholzraspeln zum Zweiten und wieder merkt meine Holde nix). „Wie gross ist denn ihre Wohnung?“ Und meine Holde plappert und plappert und alle meine Bemerkungen und Einwände, passt nicht, ich will keinen Teppich an den Wände, wir brauchen doch keinen, werden von allen Anwesenden gekonnt ignoriert. Meine Holde fängt Feuer und plötzlich der Ausspruch: „ich wollte schon immer so einen Teppich, aber bei uns sind sie viel zu teuer!“ Äh, jetzt bin ich schon 13 Jahre mit ihr zusammen und noch nie, gar nie, hat sie erwähnt, dass sie einen Berberteppich will.

2/3 der Anwesenden beim Teekränzchen

Das ist das Stichwort von Mohamed: „es gibt ein altes Sprichwort der Berber, übersetzt etwa: ist meine Frau glücklich, ist der Mann auch glücklich!“ Da gibt es einfach keine Gegenargumente mehr.

Die nächsten 30 Minuten kürze ich jetzt raus und komme zum entscheidenden Punkt: „Was kosten die beiden Teppiche, wenn wir beide nehmen?“ „Wissen sie, dieser ist einmalige Qualität, Naturprodukt und das haben sie ein Leben lang, sogar ihre Kinder werden diese Teppiche haben. Sowas kaufen sie nur einmal im Leben“ und meine Holde nickt und ich könnte zur Decke hochspringen. Im Kopf rechne ich schon mal durch, was ich dafür eigentlich bezahlen würde. 1000 CHF auf keinen Fall, aber wenn ich nur daran denke, was unser Teppich im Keller gekostet hat!! Und der einfache unter dem Esstisch, nix spezielles, haben wir 600CHF bezahlt. Und eigentlich hat er ja recht, sowas kauft man nur einmal im Leben (ich hasse mich für diesen Gedanken).

„Wenn sie beide nehmen, einer 4500Dh der andere 3000Dh, zusammen nur 7500 Dh“ (750CHF) höre ich den Händler sagen. Die Augen der Holde dürfen jetzt auf KEINEN Fall leuchten! Ich wende aber schnell ein: “wenn der für 4500 auf beiden Seiten gebraucht werden kann und der andere nur auf einer Seite, darf der einseitige aber nur die Hälfte des anderen kosten!“ Der Händler schaut mich etwas entgeistert an und weiss nicht so recht, was er da sagen sollte (der erste und einzige Punkt für mich). „Du bist sicher Händler, so hart wie du verhandelst“ sagt er zu mir (Süssholzraspeln zu mir und ich merke es auch erst Stunden später).

Schlussendlich einigen wir uns bei 6500Dh für beide, meine Holde ist glücklich und ich verhandle noch nach, dass er mir die Teppiche zum Womo liefert, damit ich sie nicht selber tragen muss.

Irgendwie habe ich aber dennoch das Gefühl, dass ich auch mit 5000Dh noch zuviel gezahlt hätte. Aber so gut habe ich eben nicht verhandelt, hätte ich aber müssen, also viel zu hoch begonnen.

Aber solche Teppiche sind fürs Leben und die kauft man eben nur einmal.

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