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Bahnhofstrasse

Seit 30 Jahren spaziere ich zum ersten Mal wieder durch die Bahnhofstrasse in Zürich

Paradeplatz

Am Bahnhof Zürich entscheide ich mich, bis zum Bürkliplatz zu laufen, und zwar durch die Bahnhofstrasse. Das letzte Mal durch die prunkvollste Strasse der Schweiz bin ich vor über 30 Jahren das letzte Mal spaziert. Für das kleine Bloggertreffen bin ich etwas zu früh dran heute, also Zeit für diesen Bummel.

Kaum biege ich in diese Strasse ein, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es wird Werbung gemacht für 1GB Glasfaserleitungen für Private (zu Hause habe ich 10x weniger und es ist das schnellste, was bei mir zur Verfügung steht), unmengen Menschen kommen mir entgegen, englisch sprechend, indisch oder chinesisch, Mütter mit violetten Haaren oder pensionierte Damen, herausgeputzt wie auf Brautschau. Sogar die Schachtdeckel meinen, sie seien etwas Besseres und sind mit Sunrise oder sonst was angeschrieben. Und zwischendurch joggt eine junge Frau dem See entgegen. Etwas später beobachte ich zwei Instagram-Tussis, die von einem dritten in Pose dirigiert werden und ihr Handtäschchen präsentieren müssen. Ich fühle mich fremd hier, als Aussätziger, als einer vom Land, ähnlich wie jene die dazumal bei meinem letzten Besuch noch am Platzspitz hausten.

Bahnhofstrasse

Auch ein Blick auf die ausgehängten Speisekarten vor den Restaurants können mich nicht erwärmen, die Preise sind exorbitant, auch in den Schaufenstern der Schmuckgeschäfte. Egal, wenn die Zürcher mehr verdienen wie ich, sie brauchen das…

Dann kommen die Banken, ich spaziere nun schon etwa an der dritten UBS-Filiale vorbei. Es ist Samstag, die Schalter geschlossen, bevor ich dann den Paradeplatz durchquere. Tote Hose, trostlose Gebäude, wird ja wahrscheinlich alles digital abgewickelt. Und für diesen Platz soll ich beim Monopoly 80'000 hinblättern? Das spare ich mir beim nächsten Spiel! 

Irgendwie ist das nicht meine Welt hier, aber das wusste ich doch schon, denn sonst würde ich hier wohnen. Ich bin nur froh, gibt es so viele Leute, die Städte so toll finden, denn wenn die alle auch noch auf dem Land wohnen wollten, wo kämen wir dann hin?

Und dann mache ich doch noch eine spannende Entdeckung: die Schweizerische Nationalbank. Hab gar nicht gewusst, dass die in Zürich sitzt und nicht in Bern? Na gut, darüber nachgedacht habe ich nie, aber eigentlich ist es ja logisch, ist die auch in Zürich bei den anderen Banken. Ein paar Chinesen machen Fotos vom Gebäude, ich auch.

Schweizerische Nationalbank

Danach komme ich beim See an und habe die gesamte Bahnhofstrasse durchlaufen. Es reicht wieder für die nächsten 30 Jahren und freue mich jetzt, die andern Blogger zu treffen.

Zur Verteidigung von Zürich muss ich aber auch gestehen, nach der schönen Schifffahrt auf dem See laufe ich der Limmat entlang zum Bahnhof. Und hier ein ganz anderes Bild, richtig romantisch, schön beleuchtet und irgendwie doch Heimat. Aber ein Städter werde ich trotzdem nicht…


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